Postervortrag, Mainzer Werkstatt 23.11./24.11.01 STETTER • KUPPER, 9.11.01 Autogenes Training: Eine Metaanalyse klinischer Studien Posterpräsentation auf der 14. Mainzer Werkstatt 23.11. bis 24.11.01 (5 Minuten) Auf diesem Poster stellen wir die Grundzüge unserer Untersuchung zur Wirksamkeit des Autogenen Trainings (AT) vor. Das AT wurde von dem Berliner Nervenarzt Professor Johannes Heinrich Schultz im Rahmen seiner Untersuchungen 1920 an hypnotisierten Patienten sowie durch die ersten Dresdener klinischen Versuche bis 1924 begründet und schließlich 1932 erstmals in Form eines Lehrbuches publiziert. Es reiht sich ein in die Gruppe der Entspannungsmethoden und findet seine Entfaltung seit vielen Jahren in psychologischen Behandlungsansätzen, stationären Therapiesettings sowie Programmen zur Prävention und Rehabilitation. Das zentrale Charakteristikum des Autogenen Trainings besteht in der passiven Fokussierung der Konzentration auf Körperwahrnehmungen im Sinne einer gezielten Aufmerksamkeit ohne subjektive Anspannung, was durch Selbstsuggestionen noch unterstützt wird. Neben der Einführung in das psychophysiologische Erklärungsmodell zur Wirkung des Autogenen Trainings und der ständigen Motivierung zum kontinuierlichen Üben ist zur Erreichung des langfristigen Entspannungsziels die Verstärkung der positiven Entspannungserlebnisse hilfreich und ein therapeutischer Umgang mit negativen Übungserfahrungen förderlich. Ausgehend von einer eigenen Voruntersuchung (Stetter & Kupper, 1998) wurden die Überlegungen in Form von der Postulierung signifikanter Prä-Post-Effekte bezüglich der Hauptzielsymptomatik, der Überlegenheit gegenüber der wahren Kontrollbedingung, der ähnlichen Auswirkung wie andere psychologische Behandlungsansätze und der positiven Effekte auf die Stimmung und Lebenszufriedenheit gebündelt. Nach der Rekrutierung von 73 kontrollierten Studien über „Medline“, über Angaben einschlägiger früherer Untersuchungen (Linden, 1994, Grawe, 1994) sowie Monographien (Binder & Binder, 1994; Hoffmann, 1997) wurde anhand von 4 Einschlusskriterien (z. B. mindestens eine Kontrollgruppe oder –phase) und vier Ausschlusskriterien (z. B. weniger als fünf Patienten in einer der untersuchten Gruppen) eine Auswahl von 60 Studien (35 randomisiert) für die quantitative Analyse getroffen. Hier wurde gefunden, dass das Autogene Training mittlere bis große klinische Effekte (0.58***, R: 0.75***) auf die Haupotzielsymptomatik hin bewirkt, die zum Follow-up Zeitpunkt stabil sind (0.81**, r.: 0.89) und die Placebo-Effekte ( wahre Kontrollgruppenbedingung) deutlich überschreiten (0.63***, follow-up: 0.51). Gegenüber anderen Behandlungsbedingungen erbringt das Autogene Training gleiche Effekte (0.21***), insbesondere zum Follow-up- Zeitpunkt hin (0.03), zum Zeitpunkt des Behandlungsendes geringere Effekte (0.21*** bis - 0.46***). Im Bereich der unspezifischen Symptomatik wurde mit mittleren bis großen klinischen Effekten (0.75***.AT vs. KG: 0.82*) eine deutliche Überlegenheit zugunsten des Autogenen Trainings festgestellt. In mehr als einer Studie bei Patienten mit milder bis moderater essentieller Hypertonie, Spannungskopfschmerz und Migräne, Koronarer Herzerkrankung, Asthma bronchiale, Raynaud-Syndrom und Neurasthenie/unspezifische somatoforme Schmerzstörung zeigt das Autogene Training seine Wirksamkeit im Prä-Post- Vergleich (0.86, 0.78, 0.47, 0.35, 0.36, 0.37) und gegenüber der wahren Kontrollbedingung (0.34, 0.79, 0.52, 0.55, 0.31, 0.38). Bei acht weiteren psychosomatischen Störungsbildern (Darmerkrankung, Epilepsie, Neurodermitis, Geburtsvorbereitung u.a.) lagen jeweils nur 1 Studie für die metaanalytische Bewertung vor, so dass hier künftige Untersuchungen die Wirksamkeitshypothese weiter zu falsifizieren haben werden. Bei Angststörungen, Depressionen und Schlafstörungen kann ebenfalls von einer gesicherten Wirksamkeit des Autogenen Trainings gesprochen werden (0.69, 0.68, 0.85). Nicht aussagekräftig sind die positiven klinischen Effekte bei Alkoholismus und Stottern (AT vs. KG: 0.99, 0.23), da auch bei diesen Störungsbildern Replikationen wünschenswert sind. Resümierend kann das Autogene Training im Rahmen von Therapieprogrammen einen wesentlichen Beitrag als additive Therapiekomponente zur Reduktion der Hauptzielsymptomatik beitragen. Postervortrag, Mainzer Werkstatt 23.11./24.11.01 STETTER • KUPPER, 9.11.01