Partizipationsstrukturen als Dimensionen im psychotherapeutischen Interaktionsprozess Eine Analyse auf der Grundlage der Interpersonellen Psychotherapie für Depressionen Wie groß ist der soziale Horizont eines Menschen – ? Er ist doch viel kleiner als man glaubt. Die große Menge der Urteile beruht auf Überlieferung, auf angelesenen Urteilen, auf fertiggenähten Schilderungen, die einer dem anderen konfektioniert überreicht. Der kleinste Teil ist empirisch erworben. Und auch da gehts sonderbar zu. Kurt Tucholsky (1925/1993, S. 246 f.) Sirko Kupper 1997 II Inhaltsverzeichnis 1. ALLGEMEINE FRAGESTELLUNG UND ZIELSETZUNG...................................1 2. GRUNDLAGEN....................................................................................................2 2.1 Strategien und Modelle der Psychotherapie-Prozeßforschung.....................................................2 2.1.1 Strategien der Psychotherapie-Prozeßforschung.......................................................................2 2.1.2 Modelle des psychotherapeutischen Prozesses..........................................................................3 2.2 Klinisch-sozialpsychologisches Prozeßmodell von Czogalik (1989)..............................................5 2.3 Das Dimensionsmodell der psychotherapeutischen Interaktion....................................................7 3. EMPIRISCHES VORGEHEN..............................................................................10 3.1 Die untersuchten Therapien..........................................................................................................11 3.1.1 Untersuchungsgegenstand......................................................................................................11 3.1.2 Der therapeutische Rahmen: IPT für Depressionen.................................................................11 3.2 Untersuchungsmethodik................................................................................................................12 3.3 Meßinstrumente............................................................................................................................13 3.4 Auswertungsstrategien..................................................................................................................14 3.4.1 Faktorenanalytische P-Technik...............................................................................................14 3.4.2 Strukturgleichungsmodelle.....................................................................................................15 4. LITERATURVERZEICHNIS...............................................................................17 5. ANHANG: DIE SCHÄTZSKALA SKI/3...............................................................20 1 1. Allgemeine Fragestellung und Zielsetzung Die hier skizzierte Arbeit soll einen empirischen Beitrag zur Psychotherapie-Prozeßforschung leisten. Die Arbeit stützt sich auf empirische Daten des Forschungsbereiches „Interaktionsforschung“ (ehemaliger Leiter: PD Dr. D. Czogalik) der Forschungsstelle für Psychotherapie Stuttgart. Diese Daten wurden im Rahmen des Projektes „Analyse psychotherapeutischer Interaktionen und Effekte in der IPT“ erhoben. Auf der Grundlage des klinisch-sozialpsychologischen Prozeßmodells von Czogalik (1989) wird vom Autor das Dimensionsmodell der psychotherapeutischen Interaktion formuliert. Dieses Dimensionsmodell ist das Ergebnis einer empirischen und theoretischen Voruntersuchung (vgl. Kupper, 1994; Czogalik, Vanger, Kupper & Hautkappe, 1994a; Czogalik, Vanger, Hautkappe & Kupper, 1994b). Das Dimensionsmodell bildet die dyadenspezifische Struktur der psychotherapeutischen Interaktion und die zeitliche Entwicklung dieser Interaktion (Prozeß) mehrebenenspezifisch ab. Im allgemeinen Verständnis strebt die hier entworfene Arbeit an, die für das Therapieergebnis erheblichen Interaktions- und Beziehungsregulierungen in der Psychotherapie darzustellen und zu beurteilen. Eine besondere Rolle bei diesem Vorgehen wird der Orientierung an der Zeit und dem Kontext, im Rahmen derer sich psychotherapeutische Interaktionen ereignen, zukommen. Psychotherapie wird vom Autor als „intendierte, interaktionelle und intrapsychisch regulierte Veränderung in der Zeit“ (Czogalik, persönl. Mitteilung, 11.04.94) verstanden. Unter dieser Voraussetzung wird Psychotherapie als „System wechselseitiger Einflußnahme“ postuliert. Vor diesem Hintergrund werden psychotherapeutische Interaktionen vorausgesetzt als „wechselseitiger verhaltensmäßiger Optimierungversuch vor dem Hintergrund der je eigenen Intentionen, sozialen Ressourcen, Situationsbewertungen, Wahrnehmungsmuster und Verhaltensmöglichkeiten“ (Czogalik et al., 1994a, S. 6). In einem engeren Verständnis stellt sich die hier geplante Arbeit folgende 3 Aufgaben: • Formulierung und empirische Überprüfung eines Dimensionsmodells für die psychotherapeutische Interaktion • Empirische Untersuchung der dyadenspezifischen Strukturierung und der Entwicklung des Interaktionsverhaltens in drei Psychotherapien • Empirische Überprüfung der Invarianz der Partizipationsstrukturen über den zeitlichen Verlauf der Interaktion hinweg. 2 2. Grundlagen 2.1 Strategien und Modelle der Psychotherapie-Prozeßforschung 2.1.1 Strategien der Psychotherapie-Prozeßforschung In den Aufgabenbereichen der Prozeßforschung können grundsätzlich vier Strategien voneinander unterschieden werden: • die Episoden-Strategie, • die Therapiephasen-Strategie, • die Strategie der multikategorialen Längsschnittanalyse, • die Strategie der stochastischen Modelle. Die Episoden-Strategie verfolgt das Ziel, „veränderungsrelevante Ereignisse“ (Czogalik, 1989, S. 17) im psychotherapeutischen Stundengeschehen feststellen. Unter veränderungsrelevanten Ereignissen können nach Czogalik „Zeitabschnitte“ verstanden werden, „in denen bedeutsame Veränderungsprozesse zu beobachten bzw. zu vermuten sind“ (ebd.). Die Beschreibung von Veränderungsprozessen auf der Stundenebene ist eine spezielle Forschungsstrategie, die den Versuch unternimmt, einen Sitzungsverlauf als Zeiteinheit in Begriffen von “good-/bad- sessions” (Orlinsky & Howard, 1975), „wichtige/wenig wichtige Stunden“ (Bastine, Fiedler & Kommer, 1989) oder auch „die gute Stunde“ (Bechtinger-Czogalik, 1988, unveröff. Manuskript, Vortrag) zu charakterisieren. Eine weitere Untersuchungsstrategie der Prozeßforschung benutzt als Ansatzpunkt deutlich „gröbere Zeitraster“ (Czogalik, 1989, S. 17). Mit Hilfe dieser Therapiephasen-Strategie wird angestrebt, zwischen den normativ vorgegebenen Phasen der jeweiligen Therapierichtung und den Veränderungen auf Seiten des Patienten bzw. der therapeutischen Methodik Zusammenhänge herzustellen. Die Strategie der multikategorialen Längsschnittanalyse oder multivariaten Analyse wird unter der Grundannahme angewendet, daß über faktoren- oder varianzstatistische Analysen prozeßrepräsentierende Ereignisse beschrieben werden können (Russell, 1995, pp. 3). Diese Ereignisse können als „quantitative Veränderungen von Merkmal- oder Strukturausprägungen über die Zeit“ aufgefaßt werden (vgl. Czogalik, 1989, S. 17). Die Strategie der stochastischen Modelle wurde sehr intensiv von Czogalik (1983, 1988, 1989, 1990 u.a.m.) als Strategie der Psychotherapie-Prozeßforschung angewendet. Czogalik (1989) machte darauf aufmerksam, daß sich eine Beschreibung sozialer Erscheinungen mit stochastischen Modellen vor allem darauf beziehe, „daß zukünftige Entwicklungen nicht mit Sicherheit voraussagbar sind“ (S. 19). Als Analysemethode schlägt Czogalik die Markowschen Ketten – auch als „Markoff-Ketten“ bekannt – vor, die bereits von Theodore W. Anderson (1955) zur Analyse der Veränderung des Wählerverhaltens verwendet wurden (vgl. auch Czogalik & Hettinger, 1990, S. 19). 3 2.1.2 Modelle des psychotherapeutischen Prozesses Bei einem Versuch die psychotherapeutische Interaktion mit Hilfe eines Modells abzubilden, stellen sich an die Forscher sehr komplexe Ansprüche. Es ginge in diesem Falle laut Czogalik (1989) darum, die Aussagen der Forschungsempirie in einem verlaufsbezogenen Zusammenhang darzustellen (S. 59). Die Beziehungsdynamik von Patient und Therapeut darf dabei keinesfalls außer acht gelassen werden. In der Vergangenheit fokussierten viele Modelle der Psychotherapie-Prozeßforschung lediglich reduktiv auf die Verlaufstypik des Patienten (ebd.). Prozeßmodelle dienen als Hilfsmittel zur Ordnung der therapeutischen Arbeit und Erleichtern die notwendige Verständigung zwischen Psychotherapeuten. Sie können jedoch zur „Bedrohung der Therapie“ werden, wenn sie zur nicht zu hinterfragenden Realität werden (Thomä & Kächele, 1989, S. 364). Als Grundlage der Bildung des Dimensionsmodells der psychotherapeutischen Interaktion (s. Abschn. 2.3) kann auch das Generic Model of Psychotherapy von Orlinsky & Howard (1986) sowie das Phasenmodell des psychotherapeutischen Outcomes von Howard, Lueger, Maling & Martinovich (1993) gewertet werden. Diese beiden Modelle sollen jedoch erst im Rahmen der Doktorarbeit ausführlicher dargestellt werden. Vier grundlegende Prozeß-Modelle sollen kurz erörtert werden (Übersetzungen durch den Autor): • Ulmer Prozeßmodell der Psychoanalyse (Thomä & Kächele, 1989) • Interaktionsprozeßmodell der psychotherapeutischen Begegnung (Strong & Claiborn, 1982) • Drei-Ebenen-Modell des psychotherapeutischen Prozesses (Greenspan & Wieder, 1984) • Interpersonelles Stufenmodell (Tracey, 1993) Das Ulmer Prozeßmodell zur psychoanalytischen Therapie wurde von Thomä & Kächele (1989) formuliert. Die beiden Autoren sehen die Nützlichkeit eines Prozeßmodells darin, „eine am Patienten orientierte Flexibilität mit einer die therapeutische Aufgabe strukturierenden Regelhaftigkeit“ zu verbinden (S. 358). Sie orientieren sich damit an der Eigengeschichtlichkeit der psychotherapeutischen Dyade. Die psychoanalytische Therapie wird von Thomä & Kächele (1989) als strategiegesteuerter Behandlungsprozeß aufgefaßt. Ein Kernaspekt des Ulmer Prozeßmodells stellt der Fokus und das Fokussieren dar. Unter Fokus verstehen die Autoren einen interaktionell hergestellten thematischen Schwerpunkt in der therapeutischen Arbeit, der sich aus dem Angebot des Patienten und der Verstehensleistung des Analytikers ergibt. Das Fokussieren wird von Thomä & Kächele (1989) als heuristischer Prozeß begriffen, in dem eine Organisation der durch therapeutische Techniken gewonnenen Information unter dem jeweils prägnantesten Gesichtspunkt erfolgt (S. 350). Die fokale Prozeßkonzeption nach Thomä & Kächele (1989) ermöglicht folgende regelhafte Aussagen über den Behandlungsverlauf: Die Schwierigkeiten oder Konflikte des Patienten werden dann zum psychodynamischen Fokus, wenn 1. der Analytiker ihm sinnvoll erscheinende Hypothesen über unbewußte Motive generieren kann, 2. es dem Analytiker gelingt, den Patienten mittels geeigneter Interventionen zu diesem Thema hinzuführen, 4 3. der Patient emotionales und kognitives Engagement für dieses Thema entwickeln kann (Thomä & Kächele, 1989, S. 358 f.). Zusammenfassend betrachten die beiden Autoren ...den interaktionell gestalteten Fokus als zentrale Drehscheibe des Prozesses und konzeptualisieren von daher die psychoanalytische Therapie als eine fortgesetzte, zeitlich nicht befristete Fokaltherapie mit wechselndem Fokus. (Thomä & Kächele, 1989, S. 359) Thomä & Kächele (1989) legten damit ein flexibles Prozeßmodell vor, das eine heuristisch orientierte therapeutische Technik vertritt. Überdies soll die therapeutische Technik sowohl am Suchen, Finden und Entdecken als auch an der Herstellung der bestmöglichen Veränderungsbedingungen für den Patienten ausgerichtet sein (vgl. Thomä & Kächele, 1989, S. 364). Ein Interaktionsprozeßmodell der psychotherapeutischen Begegnung wurde von Stanley R. Strong und Charles D. Claiborn (1982) vorgelegt. Nach den beiden Forschern ist die psychotherapeutische Situation als eine „außergewöhnliche“ soziale Situation aufzufassen (p. 53). Das Grundanliegen des Therapeuten sei es, Diskrepanz zu kommunizieren. Mit dieser Intention sei der Therapeut darauf bedacht, ein Macht- oder Abhängigkeitsgefälle herzustellen. Da der Therapeut nun aber konsistent über einen bestimmten Abschnitt der Therapie hinweg Diskrepanz kommuniziert und damit die Äußerungen des Patienten in Frage stellt, ist seinerseits ein gezieltes Impression management gefragt (pp. 159). Der psychotherapeutische Prozeß läßt sich nach Strong & Claiborn in die folgenden drei Phasen einteilen: (1) Eintreten in das System des Klienten, (2) Umgehen mit Inkongruenz, (3) Auflösen. Außer zu den Abläufen in der zweiten Phase (vgl. Bieber, Patton & Fuhriman, 1977) liegen bisher leider keine bestätigende empirische Befunde vor (p. 160). Stanley I. Greenspan und Serena Wieder (1984) bildeten den psychotherapeutischen Prozeß in drei Ebenen ab: • Regularität und Stabilität, • Attachment, • Therapeutische Prozeßebene. Die erste Dimension, „Regularität und Stabilität“ (p. 6), charakterisieren Greenspan und Wieder durch formell-organisatorische Besprechungen über den Behandlungsvertrag. Als das Grundanliegen bei Behandlungsbeginn, den diese Dimension schematisiert, steht das Erreichen einer gewissen Regularität (i. S. einer vereinbarten Sitzungsfrequenz) und Stabilität (hinsichtlich “verschiedener Ambivalenzen”, p. 8) aus. Den sich anschließenden zweiten Therapieabschnitt, in dem es vorrangig um die therapeutische Beziehung geht, bildeten die beiden Forscher in einer zweiten Dimension (Attachment, p. 7) ab. Sie kennzeichnen diese Dimension als „therapeutisches Attachment und Auftreten affektiver Beziehungen“ (p. 10). Dieser mittlere Therapieabschnitt gestaltet sich nach Meinung Greenspan und Wieders im 5 großen durch eine anfängliche „Unentschlossenheit“ oder Uninteressiertheit an professioneller Hilfe bis hin zu einem sicheren Gefühl, in sowohl positiven als auch negativen Anteilen vom Therapeuten verstanden zu werden (p. 12). Die dritte Dimension, die therapeutische Prozeßebene, fokussiert die Ebene der Kommunikation unter Grundlegung aller „traditionellen Aspekte des therapeutischen Prozesses“, z. B. “Selbstbeobachtung” und anderes mehr. Als besonders beachtlich ist an der Vorgehensweise Greenspan und Wieders zu würdigen, daß sie für die Ermittlung der drei Dimensionen einen empirischen Weg eingeschlugen und dabei die Therapeutic Relationship Scales (p. 20) entwickelten. Was jedoch auch weiterhin noch ausste- hen wird (vgl. Czogalik, 1989, S. 68), sind tatsächliche verlaufsbezogene Untersuchungen ihres Prozeßmodells. Ein weiteres Prozeßmodell der psychotherapeutischen Interaktion wurde von Terence J. Tracey (1993) vorgelegt. Tracey hatte sein Interpersonelles Stufenmodell des therapeutischen Prozesses bereits 1984 als Resultat einer empirischen Untersuchung, die er gemeinsam mit Philip B. Ray durchführte vorgestellt (p. 396; Tracey & Ray, 1984). Das wichtigste Konstrukt, das für Traceys Modellentwicklung entscheidend war, ist das erstmals von Bateson (1992/1972) beschriebene Konzept der Komplementarität (Tracey, 1993, p. 396). Tracey nimmt an, daß Komplementarität „eine Basis für geordnete und produktive Interaktion“ darstellt (p. 397). Um die Komplementarität in einer interpersonellen Definition ausformulieren zu können orientierte sich Tracey (1993, p. 398) an dem „interpersonellen Zirkel“ nach Timothy Leary (1957). Die „komplementären“ Grunddimensionen des interpersonellen Verhaltens, „Dominanz-Submission“ und „Freundlichkeit-Hostilität” (Leary, 1957, p. 493), zeigen sich in diesem Verhaltenszirkel als interpersonell vernetzt. Von diesem Kreisschema ausgehend, repräsentiert sein revidiertes Modell die Komplementarität therapeutischer Verläufe sehr viel angemessener: • „Anfangs-Stufe: Beziehungsaufbau; • Mittlere Stufe: a) Substufe der Unzufriedenheit, b) Substufe der Instabilität; • Abschluß-Stufe: Auflösung“(Tracey, 1993, p. 406). Die Qualität dieser einzelnen Niveaus bemaß Tracey anhand der Ausprägung der Komplementarität („hoch-niedrig“, ebd.). Die „erfolgreiche“ Therapie zeichne sich nun nach Traceys Untersuchungen durch eine hohe und mittlere Qualität der Komplementarität in den ersten beiden Therapiephasen (Beginn-Stufe, Mittel-Stufe: Unbefriedigende Substufe) ab, um nach einem rapiden Absinken des Komplementaritätsniveaus in der zweiten Subphase gegen Ende wieder eine beachtlich hohe Qualität anzunehmen (also: Hoch-Mittel-Niedrig- Mittel/Hoch). 2.2 Klinisch-sozialpsychologisches Prozeßmodell von Czogalik (1989) Die klinisch-sozialpsychologische Prozeßkonzeption wurde von Czogalik (1989) formuliert und überprüft (Bild 1, s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.). Im Vordergrund des Modells stehen der wechselseitige, interaktive Bezug von Therapeut und Patient sowie seine funktionellen Auswirkungen auf die Veränderung des psychischen Status des Patienten (vgl. 6 Czogalik, 1989, S. 69). Das Modell beschreibt empirisch relevante Ereignisdimensionen der psychotherapeutischen Interaktion und organisiert diese verlaufstypisch. Czogalik geht davon aus, daß sich aus den empirischen Studien zur Prozeßforschung folgende vier Dimensionen extrahieren lassen (s. Czogalik, 1988; Czogalik & Hettinger, 1988): • Beziehung zwischen Patient und Therapeut, • Partizipation des Patienten, • Therapeutische Interventionen, • Involvierung des Patienten, • Orientierung (vgl. Czogalik, 1989, S. 70). Diese Dimensionen sollen kurz erläutert werden. Die Beziehung zwischen Therapeut und Patient ist eine wesentliche Dimension der psychotherapeutischen Interaktion und kann als stabiler, bestätigter empirischer Befund gelten. Eine tragfähige Beziehung ist die Grundlage konstruktiver psychotherapeutischer Prozesse (Czogalik, 1989, S. 70). Czogalik geht davon aus, daß sich die therapeutische Beziehung in der Anfangsphase der Therapie wesentlich nach den Regeln des Alltags gestaltet. Wichtige Charakteristika der Beziehungsaufnahme sind: Respekt, gegenseitige Unterstützung, Achtung und Sympathie. Das durch Akzeptanz, Interesse und Zuwendung geprägte Therapeutenverhalten kann nach Czogalik (S. 70) als Voraussetzung für die Bereitschaft des Patienten zu Offenheit und Selbstdarstellung angesehen werden. Die Partizipation des Patienten kann nach Czogalik erst auf dieser sicheren Basis einer psychotherapeutischen Beziehung stattfinden. Unter Partizipation versteht der Czogalik, daß der Patient die ihm zugewiesene Rolle des Sich-Selbst-Betrachtenden annimmt und ausfüllt. Der Patient entwirft ein Bild von sich. Das vom Patienten entworfene Bild kann nun vom Therapeuten interpretiert, hinterfragt und konfrontiert werden. Diese Dimension bezeichnet Czogalik als therapeutische Intervention. Das bisherige Selbstbild des Patienten wird durch den Therapeuten in Frage gestellt. Als Involvierung bezeichnet Czogalik jene Ereignisse der psychotherapeutischen Interaktion, in denen der Patient neue Erfahrungen sammelt. Diese Ereignisse sind mit einer psychischen Schwächung und Labilität des Patienten verbunden. Involvierungs-Abschnitte sind jedoch auch durch vermehrte Selbstexploration und Bemühung um Selbstverständnis gekennzeichnet. Die Dimension Orientierung benutzt Czogalik, um die Vorgänge der Erfahrungsbildung und Neuorganisation der Personenwahrnehmung zu bezeichnen. Diese funktionellen und strukturellen Interaktionsdimensionen ordnet Czogalik verschiedenen Veränderungsvorgängen zu (s.a. Bild 1, s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.). Nach den Modellannahmen kann der psychotherapeutische Prozeß mit Hilfe von folgenden vier Verände- rungsvorgängen beschrieben werden: • Erkundung, • Adaptive Veränderung, • Fokaldependente Veränderung, • Bewertungsdependente Veränderung • Negativ akzelerierte Veränderung (S. 92 ff.). Den verlaufstypisch ersten Veränderungsprozeß bezeichnet Czogalik als „Erkundung“. Die Interaktionen sind vorsichtig, formell und konsensuell. Im Laufe dieses Interaktionsabschnittes erweitern die beiden Interaktionspartner ihr Archiv für Aktions- und Reaktionsmuster. Die Rahmenbedingungen der therapeutischen Beziehung werden während dieses Prozesses 7 institutionalisiert und interaktionell synchronisiert, d. h. jeder der Partner weiß, in welchem Rahmen er sich bewegen darf (vgl. S. 93). An diesen Veränderungsvorgang schließt sich ein Prozeß an, den Czogalik als „adaptive Veränderung“ bezeichnet. Unter der Voraussetzung, daß das Beziehungsgefüge grundsätzlich festgelegt ist, ereignen sich in diesem Abschnitt langwellige, kontinuierliche Anpassungsvorgänge an eine akzeptierte Binnenkultur (vgl. S. 94). Als „fokusdependente Veränderungen“ bezeichnet Czogalik therapeutische Dialoge, die unter der Dependenz eines angesprochenen Themas stehen. Während dieses Abschnittes generieren Patient und Therapeut eine spezifische Palette von Interaktionsstrukturen (S. 93). Veränderungsprozesse, im Laufe derer sich Interaktionsmuster in Abhängigkeit von ihrer Hintergrundkonstellation ( z. B. Ziele, Ressourcen, persönliche Bewertungen) ändern, bezeichnet Czogalik als „bewertungsdependente Veränderungsprozesse“. Mit dem Veränderungsvorgang „negative akzelerierte Veränderung“ hypostasiert Czogalik die Sättigung bei Psychotherapien mit sehr langem Verlauf. Durch diese Sättigung wird nach Czogalik die Attraktivität des Verhaltensaustausches vermindert (S. 94). Die jeweiligen Niveaustufen, Stabilisierung-Labilisierung-Reorganisation, stellen den psychischen Status des Patienten in der jeweiligen Therapiephase dar. Es handelt sich um eine an sozialpsychologische Auffassungen angelehnte, empirisch überprüfte Modellkonzeption, die verschiedene Aussagen über das Veränderungsgeschehen in verschiedenen zeitlichen Dimensionen zuläßt. 2.3 Das Dimensionsmodell der psychotherapeutischen Interaktion Das Dimensionsmodell der psychotherapeutischen Interaktion (Bild 2; Bild 3, s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.; Bild 4, s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.) stellt eine Begrifflichkeit bereit, um den zeitlichen Verlauf von Therapeut-Patient-Interaktionen im psychotherapeutischen Prozeß zu beschrieben. Das Modell wird durch empirische Ergebnisse und klinische Erfahrungen begründet und orientiert sich sehr eng an der Verlaufstypik des therapeutischen Geschehens in der dyadischen Psychotherapie. Das Modell repräsentiert die psychotherapeutische Interaktion mit Hilfe von vier Betrachtungs- ebenen (Bild 2). Eine der Betrachtungsebenen bildet die Dimensionen der psychotherapeutischen Interaktion als Ausdruck des Interaktionsverhaltens in psychotherapeutischen Dialogen ab. Die folgenden 7 Dimensionen werden postuliert: • Informationszeiten • Beziehungszeiten • Exponierungszeiten • Konfliktzeiten • Konsenszeiten • Veränderungszeiten • Zeiten des nonverbalen Ausdrucks. Die 7 postulierten Dimensionen sollen im folgenden kurz charakterisiert werden. Als „Informationszeiten“ werden interaktionelle Segmente bezeichnet, in denen der Patient im Sinne einer Selbstdarstellung deskriptive Informationen als beziehungswirksamer Kontakt gibt. Der Kommunikationsstil des Therapeuten läßt sich kennzeichnen durch Akzeptanz, Zuwendung und Interesse als grundlagenbildende Intervention für den Aufbau einer hilfreichen therapeutischen Beziehung. Das Interventionsverhalten des Therapeuten in den Informationszeiten setzt während des Verlaufs der Therapie verschiedene Schwerpunkte. 8 In den Anfangsabschnitten der Therapie stellt sich der Therapeut auf die innere Welt des Patienten ein, indem er betontes Interesse an der Person des Patienten zeigt. Im Mittelteil der Therapie wird der Therapeut eher informationssammelnde, Übereinstimmung signalisierende bis hin zu hinterfragenden, interpretierenden und konfrontierenden Interventionen verwenden. In dem Abschlußteil der Therapie werden zwischen Therapeut und Patienten wie in den Anfangsabschnitten wieder eher deskriptive Informationen ausgetauscht. Als „Beziehungszeiten“ werden jene interaktionellen Ereignisse bezeichnet, in denen die Therapeut-Patient-Beziehung eine wesentliche Rolle im psychotherapeutischen Dialog spielt. Diese interaktionellen Segmente unterscheiden sich im Anfangs-, Mittel- und Abschlußteil der Therapie hinsichtlich ihrer Färbung und Intensität. Im Anfangsteil der Therapie steht der Aufbau einer hilfreichen, tragfähigen und sicheren therapeutischen Beziehung im Mittelpunkt. Der Therapeut wird in diesem Abschnitt vermehrt durch Zuwendung, Interesse, Akzeptanz und Selbstöffnung seiner Sicherheit, Kompetenz und seiner Orientierung auf den Patienten Ausdruck geben. Im Mittelteil der Therapie wird die Tragfähigkeit der aufgebauten therapeutischen Beziehung auf die Probe gestellt. Die sichere Beziehung zum Therapeuten erlangt den Stellenwert einer Bühne, auf der der Patient agiert und typische Verhaltensformen aus temporären Beziehungskonstellationen darstellen kann. Die therapeutische Arbeit an den Selbstdarstellungen des Patienten führt den Patienten in dieser Phase der Therapie in einen Zustand der Schwächung und Verletzbarkeit. Eine feste und sichere therapeutische Beziehung ist in dieser Phase die Voraussetzung für einen günstigen Therapieverlauf, da das Selbstbild des Patienten bearbeitet und hinterfragt wird. Im Abschlußteil der Therapie kommt dem Interaktionssegment „Beziehungszeiten“ eher eine stützende und sichernde Funktion zu. Unter „Exponierungszeiten“ versteht der Autor interaktionelle Abschnitte, in denen der Patient seine Gefühle ausdrückt. Dies kann sich entweder in der persönlichen Betroffenheit hinsichtlich eines besprochenen Themas (z.B. Schmerz, Peinlichkeit, Leid) oder in dem Konflikt mit der Rollenübernahme als Patient. Ferner können sich in Exponierungszeiten Konflikte des Patienten ausdrücken, die als Reaktion auf die hinterfragenden , interpretierenden oder konfrontierenden Interventionen des Therapeuten entstehen (Ärger, Wut, Aggression, Angst, Defensivität u.m.dgl.). Die therapeutischen Interventionen sind in diesem Interaktionsabschnitt sowohl durch Suchen, Erkennen und Interpretieren als durch Konfrontieren und Gegenüberstellen gekennzeichnet. Die Exponierungszeiten werden eher im Mittelteil oder Hauptteil der Therapie anzutreffen sein. Mit „Konliktzeiten“bezeichnet der Autor jene interaktionellen Ereignisse, bei denen der Patient in einen Zustand der Labilität überführt wird. Die Kennzeichnung dieser Dimension setzt voraus, daß der Patient zuvor deskriptiv informiert hat oder Gefühle exponiert und der Therapeut diese Darstellungen hinterfragt, konfrontiert oder interpretiert hat. Sollte sich der Patient während dieses interaktionellen Therapieabschnittes der Klärung und Problem- bewältigung nicht auf die Interpretationen des Therapeuten einlassen können, kommt es zu interaktionellen Ereignissen, die der Autor als Konfliktzeiten bezeichnet. Wenn sich der Patient auf die Interpretationen des Therapeuten einlassen und sie annehmen kann, kommt es zu Ereignissen, die der Autor als „Konsenszeiten“ bezeichnet. Zwischen den Dialogpartnern ergibt sich eine Übereinstimmung hinsichtlich des Fokus des psychotherapeutischen Dialogs (vgl. auch Thomä & Kächele, 1989). Als „Veränderungszeiten“ bezeichnet der Autor interaktionelle Segmente, in denen deutlich wird, daß der Patient sein Selbstbild ändert. Es wird offensichtlich, daß der Patient eine höhere Ebene seiner psychischen Ordnungsstruktur erreicht. Auf diese Neuorganisation liefern seine 9 verbalen Beiträge Hinweise. Diese Dimension kommt eher in den Abschlußabschnitten der Therapie zum Tragen. Eine Dimension, von der der Autor annimmt, daß sie während aller drei angenommenen Therapieabschnitte eine bedeutsame Rolle spielt, sind die „Zeiten des nonverbalen Ausdrucks“. Das nonverbale Verhalten begleitet und beeinflußt die übrigen Dimensionen des interaktionellen Verhaltensaustausches gewissermaßen als grundlegendes Agens. Eine weitere Betrachtungsebene beschreibt die funktionellen Auswirkungen dieser Interaktionscharakteristiken auf den psychischen Status des Patienten. Drei Status- beschreibungen erweisen sich als notwendig: • Stabilisierung • Labilisierung • Konsolidierung und Reorganisation. Die Entwicklung und der zeitliche Verlauf der psychotherapeutischen Beziehung steht in der Betrachtungsebene der Regulationssysteme der psychotherapeutischen Interaktion im Vordergrund. Über den Therapieverlauf hinweg lassen sich vier übergeordnete, sich überlappende Regulationssysteme der Interaktion formulieren: • Erkundung und Abtasten, • Adaption und Normalisierung (Binnenstruktur), • Konstruktion / Ko-Konstruktion / Entwicklung, • Loslösung und Verselbständigung. Überdies wird vom Autor angenommen, daß sich für jede Therapiephase verschiedene interaktionelle Aufgaben formulieren lassen, die in der Therapeut-Patient-Interaktion eine bedeutsame Stellung einnehmen. Über den Therapieverlauf hinweg werden phasentypisch 12 interaktionelle Aufgaben formuliert: 1. Phase (Anfangsteil) • Akzeptieren des Therapienormativs • Deskriptive Informationsabschnitte (als beziehungswirksamer Kontakt) • Grundlegung für die psychotherapeutische Beziehung (Institutiona- lisierung) • Einstimmen auf die innere Welt des Patienten • Ausbildung einer Binnenstruktur („Norm“) 2. Phase (Mittelteil) • Exponieren von Gefühlen und Beziehungstatsachen • Teilhaben und Verständnis für die exponierten Gefühle und Beziehungsthemen • Konflikte (Konfrontation) • Interpretationen, „Ratschläge“ unterbreiten • Partizipation des Patienten (i.S. Selbstentfaltung) 3. Phase (Schlußteil) • Verständnis für die Interpretationen • Aufarbeitung der Konflikte • Wachstum und Neuorganisieren. 10 Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die vom Autor angenommenen Dimensionen als Ausdruck der Patizipationsstrukturen von Therapeut und Patient im gesamten Therapieverlauf eine Rolle spielen. Die Modelldarstellung in Bild 2 (s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.) beschränkt sich auf die jeweils zentralen Dimensionen hinsichtlich ihrer quantitativen Ausprägung in einem bestimmten Therapieabschnitt (Anfang, Mitte, Ende). Natürlich kann eine Dimension nur dann als Variationsbereich von Verhaltensstrukturen gedacht werden, wenn sie während des gesamten Therapieverlaufs vermutet und empirisch bestätigt wird. Aus Bild 4 (s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.) läßt sich deutlich erkennen: Alle 7 Dimensionen wirken sich während des gesamten Verlaufs einer Therapie gleichermaßen als „gleichschwebende Interaktionssegmente“ aus. Wie in Bild 4 weiterhin ersichtlich ist, variiert nur die quantitative Ausprägung der einzelnen „Zeiten“ von Therapieabschnitt zu Therapieabschnitt, von Sitzung zu Sitzung und in manchen Fällen auch von Äußerung zu Äußerung. Die Struktur des Interaktionsverhaltens, d. h. die Invarianz der Dimension über die Zeit hinweg, bleibt jedoch stabil erhalten. 3. Empirisches Vorgehen Die hier entworfene Arbeit kann als ein Teil des Forschungsprojektes „Analyse psychotherapeutischer Interaktionen und Effekte in der IPT“ verstanden werden. Die Studie wurde zu Beginn des Jahres 1993 durch Josef Aldenhoff (Mannheim; OA einer Abteilung des Zentralinstituts für seelische Gesundheit, ZISG) und Dietmar Czogalik (Stuttgart; Wissenschaftsbereich der Forschungsstelle für Psychotherapie) initiiert. Im Rahmen dieses Kooperationsprojektes sollen 30 videoprotokollierte Psychotherapien mit dem SKI/3 (s. Anhang) ausgewertet werden. An der Durchführung und Koordination in den Anfängen der Studie war der Autor maßgeblich beteiligt. Das Grundanliegen der Studie besteht darin, die Wirkprinzipien der psychotherapeutischen Interaktion und deren Spezifität bei der Durchführung der Interpersonellen Psychotherapie (IPT, s. S. 11) zu erforschen. Im Rahmen des Projektes A3 des SFB 258 wurde im Berichtszeitraum auf der Station 6c des ZISG begonnen, stationäre Patienten nach den Richtlinien der IPT ohne Antidepressiva zu behandeln (vgl. auch Tätigkeitsbericht, 1993, S. 19). Der Untersuchungsgegenstand der Studie setzt sich aus den Verläufen der IPT mit depressiven Patienten und den dabei zu beobachtenden psychotherapeutischen Interaktionen zusammen. Die in diesem Rahmen mit IPT behandelten Patienten, weisen ausschließlich die Merkmale einer „typischen Depression“ (Major Depression) nach DSM-III-R (A.P.A., 1987/1991) auf. Als Außenkriterien dieses Forschungsprojektes wurde folgendes festgesetzt: • Erfassung des Beziehungs- und Interaktionserlebens von Therapeut und Patient nach jeder Sitzung (SKOM), • Erfassung der aktuellen Gestimmtheit der Patienten zweimal pro Woche (Befindlichkeitsskala, B-S; Zerssen, Koeller & Rey, 1970, S. 917), • das Ausmaß der depressiven Symptomatik (Hamilton-Skala, Hamilton, 1960, p. 61 f.), • Erhebung biologischer Veränderungsparameter wie Schlafparameter oder intrazelluläre Kalziumkonzentrationen. 11 3.1 Die untersuchten Therapien 3.1.1 Untersuchungsgegenstand Im Rahmen der vorliegenden Untersuchungplanung werden Ereignissequenzen aus insgesamt drei Psychotherapien (IPT) erhoben und forschungswissenschaftlich bearbeitet. Um aussagekräftige Beobachtungen zu den Therapeut-Patient-Interaktionen zu ermöglichen, wurden die einzelnen Therapiesitzungen in besondere Sprechabschnitte segmentiert. Besonders heißt hierbei, daß das spezielle methodisch-formale Vorgehen an empirische Untersuchungen von Lichtenberg und Hummel (1976) angelehnt wurde. Diese beiden Forscher legten ihren interaktionsanalytischen Untersuchungen ein lerntheoretisches Konzept zugrunde, wonach jede Aussage immer zweifach funktional eingebettet war. Zum einen besaß eine Aussage in Bezug auf die vorangegangene Aussage des Geprächspartners immer eine (verhaltens-) verstärkende Qualität, zum anderen stellte sie zugleich einen diskriminativen Reiz für die nachfolgende Aussage des Gegenübers dar (zitiert nach Czogalik, 1989, S. 20). Die methodische Definition eines Sprechbeitrages soll in der hier skizzierten Untersuchung an die Kriterien von Lichtenberg und Hummel (1976) folgendermaßen angelehnt werden: ein Sprechabschnitt wird als der vollständige Sprechbeitrag zwischen zwei Sprecherwechseln definiert. Auf diese Weise werden für die hier entworfene empirische Untersuchung vielzählige objektivierte Sprechbeiträge bereitgestellt. Aus den bisherigen Erfahrungsbefunden der oben besprochenen Studie werden 360 Aussagen aus drei Therapien herausgegriffen und analysiert. Die Patienten sind weiblich und werden von zwei männlichen und einem weiblichen Therapeuten behandelt. 3.1.2 Der therapeutische Rahmen: IPT für Depressionen Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) wurde von Gerald L. Klerman, Myrna M. Weissman und Mitarbeiter (Klerman, Weissman, Rounsaville & Chevron, 1984) als ein Kurzzeit- Behandlungsverfahren konzeptualisiert. Die ersten Anfänge der Entwicklung der IPT reichen bis in das Jahr 1968 zurück. Die Ergebnisse einer Studie zur Rückfallhäufigkeit medikamentös behandelter Patienten im Jahr 1968 gab den Ausschlag für die Skizzierung und Entwicklung einer effektiven psychotherapeutischen Behandlung. In der Mitte der achtziger Jahre wurde ein ausgearbeitetes Therapiemanual vorgelegt (Interpersonal Psychotherapy for Depression; Klerman, Weissman, Rounsaville & Chevron, 1984). Die IPT wurde als Therapie für Depressive entwickelt und wurde daher von Anfang an auf die spezielle Symptomatik dieser Patientengruppe ausgerichtet. Eine Orientierung an einer therapeutischen Schule gab es nicht. Es ging Klerman und Weissman lediglich darum, eine möglichst wirksame Therapie für Depressive zu entwickeln (vgl. Klerman & Weissman, 1993; s. auch Grawe, Donati & Bernauer, 1994, S. 515ff ). Der theoretische Hintergrund der IPT wird von der Beobachtung konfiguriert, daß Depressionen oft in einem interpersonalen Kontext entstehen (z. B. Verlust einer engen Bezugsperson, aktuelle zwischenmenschliche Konflikte, Klerman & Weissman, 1993, p. 7). Ziel der IPT ist es, diesen interpersonalen Kontext der depressiven Symptomatik zu ändern. Die Bereiche der Persönlichkeit und des Charakters sollen im Rahmen der Therapie weitestgehend ausgeklammert werden (wenn es nicht aktuell nötig wird, sich 12 Vergangenheitserlebnisse in die therapeutische Arbeit einzubeziehen), da klinische Erfahrungen von negativen Auswirkungen berichten (ebd.). Der außerordentliche Gegenwarts- und Umweltbezug der IPT läßt sich auf den Einfluß des psychobiologischen Ansatzes von Adolph Meyer (1957) zurückführen. Nach Meyers Auffassung sind psychiatrische Störungen ein besonderer Ausdruck des Individuums, bei dem Versuch, sich an seine Lebensumwelt anzupassen (zitiert nach Klerman et al., 1984, p. 42). Insgesamt läßt sich die theoretische Konzeption jedoch auf eine große Zahl von Wurzeln zurückführen (Klerman & Weissman, 1993, p. 5). Der psychotherapeutische Prozeß wurde von Klerman und Weissman in drei grundlegende Abschnitte unterteilt (Tafel 1). Ferner ist die IPT klar strukturiert und zeitlich vorgegeben. Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß sich die IPT mit der aktuellen zwischenmenschlichen Beziehung des Patienten befaßt, weniger mit seiner Vergangenheit. Der Therapeut versteht sich als Anwalt des Patienten. Die Therapiebeziehung ist realitätsbezogen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen des Patienten sollen verbessert werden. 3.2 Untersuchungsmethodik Der hier entworfenen Untersuchung kann der Rang einer Einzelfallstudie zugewiesen werden. Dem Vorgehen bei den Datenbereitstellungen, -aufbereitungen und -analysen liegt eine empirische interaktionstheoretische Prozeßstrategie zugrunde. Über das Verfolgen eines solchen „Interventionsplanes“ ergeben sich vielverzweigte Möglichkeiten, verschiedenste Fragen nach der differentiellen Therapieindikation, nach der Therapeut-Patient-Passung und nach der Effizienz einzelner Therapieverfahren mit Hilfe einzelner Determinanten der Thera- peut-Patient-Beziehung einer Beantwortung näher zu führen. Ein fundamentaler Baustein dieses Planes stellt das Aufsuchen von Invarianten (d. h. zeitlich und kontextuell stabile, strukturelle Verhaltenskonfigurationen) der Prozeß-Kontext-Matrix im Verlauf der Be- handlung dar. Diese Invarianten der interaktionellen Verhaltensweisen werden dabei als Ereignisse verstanden, die im Therapieverlauf eine musterbildende Qualität gewinnen. Diese Strategie beruht auf einer klinisch-sozialpsychologischen Konzeptualisierung und läßt sich durch verschiedene axiomatische Annahmen stützen. I. Die Anfangssitzung, a) Umgehen mit Depressionen, b) Klären des Zusammenspiels von Depression und interpersonellem Kontext, c) Identifikation der Hauptproblembereiche, d) Erklärung der IPT-Konzepte und des Behandlungsver- trages; II. Mittlere Sitzungen: Die Hauptproblembereiche, a) Kummer (Leid), b) Interpersonelle Konflikte (Rollenkonflikte), c) Rollenwechsel, d) Interpersoneller Defizit; III. Abschluß, a) Explizites Besprechen des Therapieabschlusses, b) Einräumen, daß der Therapieabschluß eine Zeit ist, be- kümmert zu sein, c) Dem Patienten helfen, sich zur Anerkennung selbstbe- wußter Kompetenz zu bewegen. Tafel 1 Die drei Therapieabschnitte der IPT (Klerman et al., 1984, pp. 73 f.) 13 Es wird im Rahmen der forschungwissenschaftlichen Strategie eine sozialpsychologisch fundierte Erkenntnisfindung angestrebt. Jedes individuelle Verhalten ist „zwischenmenschlich“, zumindest jedoch immer „sozial“. Um mit Strong (1978) zu reden, gibt es gar kein „anderes“ Verhalten als das je alltägliche (zitiert nach Czogalik et al., 1994a, S. 3). Unter diesen Annahmen wurde vom Autor ein forschungsstrategischer Prozeßalgorithmus konzipiert: Der dynamische Kern der psychotherapeutischen Kur (i. S. der Lewinschen Gruppen- dynamik) besteht in dem gegenseitigen Beziehungsverhalten; diese Vorgänge können über den systematischen Erfahrungshorizont des Alltagsverhaltens erklärt werden; auf dieser Erklärungsgrundlage erübrigen sich Fragen nach der Art oder schulentheoretischen Ausrichtung eines Behandlungsverfahrens, denn es kommt auf die interaktionellen Vorgänge zwischen den Therapiepartnern schlechthin an; den nonverbalen und verbalen Interaktionsmodi wird dabei stets eine gleichgroße Beachtung gezollt (vgl. auch Czogalik et al., 1994a, S. 3 f.). Dieser Planskizze liegt ein konkretes Veränderungsverständnis zugrunde. Es werden Veränderungen des Sozialverhaltens in der Psychotherapie untersucht, die sich für gewöhnlich in ein bis zwei Jahren des menschlichen Erwachsenenlebens vollziehen. Es wird vom Autor angenommen, daß Therapeut und Patient über ein Archiv von relativ stabilen Verhaltensweisen (strukturelle Determinanten) verfügen, die sie in die psychotherapeutische Interaktion einbringen. Die quantitative Ausprägung dieser strukturellen Determinanten in zeitlicher und situationaler Schichtung wird als variabel vorausgesetzt. Als Arabeske kann an dieser Stelle der allegorischen Bezug zu der Dialektik von Georg W. F. Hegel (1812-16/1963) hergestellt werden. Von einer Metaebene aus stellt sich der Rhythmus der Veränderung nach Hegel als die Dreiheit von „an sich“, „für sich“ und „an und für sich“ dar (Thesis – Antithesis – Synthesis). Zunächst liegt ein relativer „Gleichgewichtszustand“ vor, d. h. relativ stabile Verhaltenskonstituens (Thesis). In einem zweiten Stadium wird dieser Zustand negiert: es vollzieht sich eine Veränderung (Antitesis). Schließlich wird diese Negation wieder- um negiert (Negation der Negation) und es ensteht als Synthese ein veränderungspotentes „Gleichgewicht“, d. h. Verhalten wird nun durch einen stabilen Zustand charakterisierbar, der jedoch in quantitativem Ausmaß eine Veränderungsqualität besitzt (Synthese). Aus einer sozial-entwicklungspsychologischen Perspektive konnte Hellgard Rauh sogar über die ganze Lebensspanne verallgemeinern: „Der Mensch zeigt Veränderungen, aber auch konstante und stabile Merkmale sein Leben hindurch“ (Rauh, 1978, S. 14). 3.3 Meßinstrumente Die Beschreibung und Analyse der erhobenen Daten (Videoprotokolle) erfolgte mit Hilfe des Stuttgarter Kategorieninventars zur Interaktionsanalyse, 3. Version (SKI/3; Czogalik, Vanger, Hautkappe & Kupper, 1994b). Die Verwendung des SKI/3 erlaubt eine Beschreibung des sichtbaren Verhaltens von Therapeut und Patient durch unabhängige Beobachter aus einer Außenperspektive. Die Datenbeschreibung und -einschätzung wird ausschließlich mit dem SKI/3 (Anhang) geleistet. Diese Schätzskala (Rating scale) wurde von Czogalik & Vanger (1993) entwickelt (vgl. auch Czogalik, Vanger, Hautkappe & Kupper, 1994b; Czogalik, Haïdara & Vanger, 1994) und stellt die mittlerweile dritte überarbeitete Version des SKI dar. Das Interaktionsverhalten während der psychotherapeutischen Dialoge wird „multikanal“ aus mehreren Beobachterperspektiven gemessen. Diese Strategie trägt insbesondere der Tatsache Rechnung, daß in sozialen Interaktionen simultan verschiedene Botschaften auf mehreren 14 Ebenen vermittelt werden (vgl. Czogalik et al., 1994a, S. 11). Jede Beurteilungseinheit (Sprechbeitrag) wird anhand 34 bipolarer Items, die folgenden sieben Beobachterperspektiven obliegen, beurteilt: 1) Bezugnahme und Involvierung des Sprechers (freundlich, warm vs. unfreundlich, kalt; einflußnehmend, dominant vs. gewährend, submissiv; eindeutig, authentisch vs. vieldeutig, unecht u.a.m.) 2) Bezugnahme und Involvierung des Hörers (rückmeldend, Lautsignale vs. unre- sonant; manipulierend, unruhig vs. ruhig) 3) Gesprächsatmosphäre (locker, unkompliziert vs. verkrampft, kompliziert; vertraut vs. fremd) 4) Interventionsmodus des Sprechers (affektiv-kognitiver Modus vs. deskriptiver Modus; selbstöffnen vs. selbstverbergen u.a.) 5) Gesprächsthema (Primärsystem, Therapie vs. Tertiärsystem; Probleme u. Kon- flikte vs. Sachverhalte u.v.a.m.) 6) Themensteuerung (bejahen, verstärken vs. verneinen, ignorieren; abwartend, Raum geben vs. dazwischentreten, unterbrechen u. dgl. m.) 7) Stimme und Sprechfluß (fließend vs. gebrochen; laut vs. leise; traurig, klagsam, getrübt vs. fröhlich, frisch, frei) Das Interaktionsverhalten jedes der beiden Dialogpartner wird mit dem SKI/3 über gesprächsthematische, sprachformale, nonverbale und gesamteindrückliche Kategorien erfaßt. Die faktorisierten Korrelationsmatrizen der Items wiesen bislang relativ konsistent auf die folgenden vier entscheidenden Dimensionen: Beteiligung, Beeinflussung, Problem- und Konfliktbearbeitung, Primärsystemorientiertheit (Czogalik, Ehlers & Vanger, 1993, unveröff. Manuskript). Diese faktoriellen Strukturen beruhen auf einer Zufallsauswahl von 50 Äußerungen aus 10 Therapien unterschiedlichster Provenienz (vgl. Czogalik et al., 1994, S. 12). Auf der Grundlage dieses empirischen „Materials“ konnten hohe Übereinstimmungen der zwischen Bewertungen desselben Beurteilers (r= .78) festgestellt werden (ebd.). 3.4 Auswertungsstrategien Als methodologische und statistische Auswertungsstrategien wurden die faktorenanalytische P- Technik (Cattell & Luborsky, 1950; Cattell, 1951; Luborsky, 1995) und der Structural Equation Modeling-Ansatz (Kupper, 1997; Bentler & Wu, 1993; Byrne, 1994; Hoyle, 1995a; Hoyle & Smith, 1995; Mulaik, 1972) gewählt. 3.4.1 Faktorenanalytische P-Technik Die P-Technik soll dazu verwendet werden, strukturelle Interaktionsdimensionen zu extrahieren, die über den Verlauf der Therapie relativ stabil bleiben. Mit dem Begriff P-Technik bezeichnete Cattell (1951; Cattell & Luborsky, 1950; Luborsky, 1995) die Faktorenanalyse von Interitemkorrelationen einer Anzahl von Variablen, die über wiederholte Messungen an einem Subjekt oder einer Dyade gewonnen wurden. Cattell nahm für dieses methodologische Vorgehen in Anspruch, daß damit Trait-State-Faktoren extrahiert werden können. Auf die hier zugrundegelegte Fragestellung angewandt heißt dies, daß sich dyadenspezifische Interaktions- strukturen durch die P-Technik gewinnen lassen. Diese Interaktionsstrukturen sind über den Therapieverlauf hinweg qualitativ stabil, und quantitativ veränderlich. Mit anderen Worten können mit Hilfe der P-Technik Strukturen der Interaktion ermittelt werden, die über den 15 zeitlichen Verlauf qualitativ invariant bleiben. Die quantitative Veränderung dieser Muster kann durch motivationale Vorgänge, Vorgänge der Anpassung, Gesundung, Sozialisation u.dgl.m. beeinflußt werden (vgl. auch Mintz & Luborsky, 1970). Die breite Kritik gegen die P-Technik richtet sich zu einem großen Teil auf ihre fehlende Zeit- und Veränderungssensibilität (Überla, 1968, S. 299). Im Rahmen dieses Auswertungsschrittes in der geplanten Arbeit geht es jedoch nicht um die Zuordnung von zeitlichen Verursachungen, sondern lediglich um die Ermittlung der Strukturmerkmale der Interaktion, die auf die Interkorrelation einer Variablenmenge zurückgeführt werden kann. Aussagen zum Prozeß ergeben sich aus den Ausprägungsverläufen der Strukturmerkmale. Getestet wird die statistische Bedeutsamkeit dieser Abweichungen durch den Runs-Test und varianzanalytische Statistik. Die Invarianz dieser gefundenen Muster, d. h. ihre qualitativ gleichbleibende Struktur, soll zum einen über den zeitlichen Therapieverlauf hinweg und zum anderen über 3 verschiedene Dyaden hinweg getestet werden. Dieser Auswertungsschritt soll mit Hilfe von Strukturgleichungsmodellen erfolgen. 3.4.2 Strukturgleichungsmodelle Die Modellierung von Strukturgleichungen (Structural Equation Modeling, SEM) stellt eine statistische Methodologie dar, mit der Hypothesen über die Beziehungen zwischen beobachbaren und nicht beobachtbaren (latenten) Variablen getestet werden können. Über den zugrundeliegenden konfirmatorischen faktorenanalytischen Ansatz werden a priori formulierte Hypothesen zur Erklärung von Merkmalzusammenhängen geprüft (Kupper, 1997, S. 5; Bortz, 1993; Byrne, 1994; Hoyle, 1995; Hoyle & Smith, 1994). Die Vorteile des SEM-Ansatzes gegenüber den konventionellen Standardmodellen (z. B. Korrelations-, Regressions-, Varianz-, explorative Faktorenanalyse) liegt in folgendem: • Robuste Schätzmethoden werden eingesetzt, die auch nicht normalverteilte Rohdaten zulassen (z. B. Maximum-Liklihood-Methode), • Modelle können spezifiziert werden, in welchen die vermutete Ursache von Fremdeinflüssen und Meßfehlern isoliert ist, • Kapazität, Beziehungen zwischen latenten, nicht beobachtbaren Variablen zu schätzen und zu testen. Herkömmliche statistische Ansätze, wie Pfad-, Regressions- oder konfirmatorische Faktorenanalyse, können als Teilmodell der Strukturgleichungsmodelle angesehen werden. Das Hauptmerkmal der Strukturgleichungsmodelle ist die Untersuchung latenter Variablen (z. B. Informationszeiten, Beziehungszeiten, Exponierungszeiten). Diese latenten Variablen können nur über indirekte Indikatoren erfaßt werden (z. B. Beurteilungskategorien des Stuttgarter Kategorieninventars, 3. Version). Ein Strukturgleichungsmodell wird aus dem Muster der festen und freien Parameter durch zwei Komponenten definiert (Bild 5): • das Meßmodell und • das Strukturmodell. Wenn die Meß- und Strukturkomponenten kombiniert werden, so ergibt sich ein umfassendes statistisches Modell (Bild 6, s. S. Fehler! Textmarke nicht definiert.), mit dessen Hilfe die 16 Beziehungen zwischen Variablen meßfehlerfrei geschätzt werden können (Kupper, 1997, S. 7; Hoyle, 1995; Byrne, 1994). In diesem Auswertungsschritt soll die Invarianz der strukturellen Interaktionsdimensionen über die Zeit und über drei verschiedene Psychotherapien hinweg getestet werden. 17 4. Literaturverzeichnis American Psychiatric Association. (1991). Diagnostisches und statistisches Manual Psychischer Störungen. DSM–III–R (3., korrigierte Aufl.). Weinheim: Beltz. (Orginal erschienen 1987: Diagnostic and Statistical Manual of mental disorders, 3rd ed. rev.) Anderson, T. W. (1955). Probability models for analyzing time changes in attitudes. In P. F. Lazarsfeld (Ed.), Mathematical thinking in the social sciences (2nd ed.). (pp. 17–66). Glencoe, Ill.: Free Press. Bateson, G. (1992). 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Involvierung des Sprechers (11) 01 EIN freundlich, warm 1 2 3 4 5 unfreundlich, kalt 02 EIN einflußnehmend, dominant 1 2 3 4 5 gewährend, submissiv 03 EIN beteiligt, engagiert 1 2 3 4 5 unbeteiligt, distanziert 04 EIN spontan, unüberlegt 1 2 3 4 5 kontrolliert, überlegt 05 EIN sicher 1 2 3 4 5 unsicher, hilflos 06 EIN eindeutig, klar 1 2 3 4 5 vieldeutig, unklar 07 HALT offen 1 2 3 4 5 geschlossen 08 HALT zugewandt 1 2 3 4 5 abgewandt 09 MIM positiv 1 2 3 4 5 negativ 10 MIM starr, unbeweglich 1 2 3 4 5 lebendig, beweglich 11 GEST raumgreifend 1 2 3 4 5 eingeengt 2 Bezugnahme u. Involvierung des Hörers (2) 12 EIN rückmeldend, Lautsignale 1 2 3 4 5 unresonant 13 GEST manipulierend, unruhig 1 2 3 4 5 ruhig 3 Gesprächsatmosphäre (2) 14 EIN locker, unkompliziert 1 2 3 4 5 verkrampft, kompliziert 15 EIN vertraut 1 2 3 4 5 fremd 4 Interventionsmodus des Sprechers (7) 16 TXT affektiv-kognitiver Modus 1 2 3 4 5 deskriptiver Modus 17 TXT informationsarm 1 2 3 4 5 informationsreich 18 TXT selbstöffnen 1 2 3 4 5 selbstverbergen 19 TXT suchen, erkennen, interpretieren 1 2 3 4 5 konstatieren 20 TXT konfrontieren, gegenüberstellen 1 2 3 4 5 stützen 21 TXT anleiten, ratschlagen 1 2 3 4 5 verfolgen 22 TXT common sense 1 2 3 4 5 überschreiten, transzendieren 5 Gesprächsthema (5) 23 TXT Primärsystem, Therapie 1 2 3 4 5 Tertiärsystem 24 TXT Beziehungen 1 2 3 4 5 beziehungsfreie Situationen 25 TXT Sprecher 1 2 3 4 5 Andere/deres 26 TXT Probleme und Konflikte 1 2 3 4 5 Sachverhalte 27 TXT negative Inhalte 1 2 3 4 5 positive Inhalte 6 Themensteuerung (4) 28 TXT bejahen, verstärken 1 2 3 4 5 verneinen, ignorieren 29 TXT auffordern, fragen, behaupten 1 2 3 4 5 antworten 30 TXT reverbalisieren, wiederholen 1 2 3 4 5 initiieren 31 TXT abwartend, Raum geben 1 2 3 4 5 dazwischentreten, unterbrechen 7 Sprechfluß (3) 32 SPR fließend 1 2 3 4 5 gebrochen 33 SPR laut 1 2 3 4 5 leise 34 SPR traurig, klagsam, getrübt 1 2 3 4 5 fröhlich, frisch, frei