Nikotin, illegale Drogen, Schmerz- und Beruhigungsmittel Wirkung, Gefahren, Abhängigkeiten, Behandlung Dr. Sirko Kupper Oberberg-Klinik Weserbergland Psychologischer Psychotherapeut Supervisor BDP Übersicht Einleitung Suchterzeugende Substanzen Einflussmöglichkeiten der Angehörigen Behandlungsmöglichkeiten Einstiegsdroge Cannabis: ein Ammenmärchen? Niederländische Studie, N=219 (eineiige Zwillinge; Lynskeyet al., 2006): – Konsum eines Joints vor dem 18.Lbj. führt zu erhöhter Einstiegs- wahrscheinlichkeit des Konsums von: • Partydrogen, z.B. LSD, Ecstasy (7,5fach ) • „harten Drogen“, z.B. Kokain, Heroin (16,5fach) • anderen Drogen überhaupt (6,5fach) Schwedische Studie (Ellgrenet al., 2006) – Folgen auf das sich entwickelnde Gehirn von Teenagern anhand Tierversuchen – Versuchsaufbau: „Cannabis-Ratten“ vs. Kontrollgruppe – Ergebnis: erhöhter Heroin-Konsum der Cannabisratten – Hintergrund: Veränderung des Belohnungssystems aufgrund der erhöhten Konzentration von Opioidrezeptoren und Botenstoffproduktion im Gehirn Aber: nur 2 bis 5 Prozent der Cannabiskonsumenten landen später bei „harten Drogen“; viele wissenschaftliche Studien belegen dies Die wahre Einstiegsdroge „Nikotin“: „Alkohol und Nikotin werden unterschätzt“ „Die Einstiegsdroge in Deutschland ist Tabak“(Hüllinghorst, 2001, DHS) Irrtum: illegale Drogen seien gefährlicher als legale Frage an Heroinkonsumenten nach Einstiegsdroge: Spontanantwort „Cannabis“ – Bei genauem Hinschauen jedoch Nikotin, Alkohol, Schlaf- und Beruhigungstabletten aus Mutters Rot-Kreuz-Schrank im Badezimmer – Legale Drogen sind viel gefährlicher als alle illegalen zusammen: 2001 starben 2300 Menschen in Deutschland an den Folgen des Konsums illegaler Drogen 150000 Deutsche an den Folgen von Nikotin und Alkohol Einstieg in den Substanzmissbrauch (Kröger & Bühler, 2000) Einstieg in den Tabakmissbrauch (Kähnert, 2002) Einstiegsdroge Wasserpfeife Wasserpfeife-Rauchen in einer Sisha-Bar liegt im jugendlichen Trend Sie sind wie Alkopops Gerade für Kinder und Jugendliche Einstiegsdroge für das Zigarettenrauchen Gefahr: der eingeatmete Rauch schmeckt nicht streng nach Tabak, sondern dem beigefügten Fruchtaroma 1 Sisha-Sitzungentspricht nach WHO 100 Zigaretten Studie, N=1140 Schüler/innen: 31 % rauchen regelmäßig Wasserpfeife (16 % rauchen Zigaretten) BZgA-Studie: 14 % der Jugendlichen deutschlandweit rauchen 1mal im Monat Wasserpfeife Sucht Verhaltensweisen (Kaufsucht, Spielsucht, Esssucht, Arbeitssucht) Stoffe: Sucht Heute: Abhängigkeit Sucht = Abhängigkeit Sucht stammt von „siech“ = krank Abhängigkeit (WHO): “Ein seelischer, eventuell auch körperlicher Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein dringendes Verlangen oder ein unbezwingbares Bedürfnis besteht, sich die entsprechende Substanz fortgesetzt und periodisch zuzuführen.“ Abhängigkeitsmerkmale nach WHO Starkes Verlangen Verminderte Kontrolle Toleranzentwicklung Einengung auf den Substanzgebrauch Anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen Abhängigkeit Psychische Abhängigkeit Sehr starkes, z.T. unbezwingbares Verlangen („craving“), eine Substanz zu konsumieren, um positive Empfindungen herbei- zuführen oder unangenehme Empfindungen zu vermeiden. Physische Abhängigkeit Unbezwingbarer Drang, die Substanz (wieder) zuzuführen, um Entzugssymptome zu unterdrücken. Gewöhnung - Toleranz Nach wiederholter Zufuhr einer Substanz muss die Dosis erhöht werden, um die gleiche Wirkung wie bei der ersten Applikation zu erreichen. Pharmakokinetische Toleranz: Enzyminduktion -> schnellerer Substanz-Abbau (Barbiturate) Pharmakodynamische Toleranz: Veränderung der Rezeptordichte (z.B. Alkohol) Rezeptorempfindlichkeit (z.B. Nikotin) Rezeptorkopplung (z.B. Opiate) Entzugssymptomatik Beispiel: Opiate Substanzklassen Nikotin Alkohol Cannabis Opiate u. Opioide Heroin Codein Morphin Kokain Crack Halluzinogene Amphetamine GHB u. GBL Inhalantien Benzodiazepine Sucht- mittel Uppers Downers Nikotin Nikotin Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •hoch giftig •lebens- verkürzend •depressiv- machend •stimulierend •höchstes Suchtpotenzial •Verlangen Nikotin: eine akzeptierte Droge Untersuchung an Regensburger Schulkindern der 9. Klasse: – 75 % Alkohol – 50 % Zigaretten Eintrittsalter bei „Genussmitteln“12 bis 14 Jahre die Primärprävention im Kindergarten und in der Grundschule als Ziel Einstiegsdroge „Nummer eins“ist die Zigarette Zusammenhang Tabakkonsum/Alkoholkonsum und illegale Drogen die Präventionsarbeit nicht nur Heroin und Kokain betreffend Ist Nikotin wirklich die Einstiegsdroge für illegale Drogen? enger Zusammenhang Tabakerfahrungenund Cannabiskonsum Cannabis wird überwiegend mit Tabak vermischt und geraucht Jugendliche ohne Tabakerfahrungennur zu 5 % Cannabis bei Tabakerfahrungen9fache Wahrscheinlichkeit Cannabiskonsum Konsum legaler Substanzen geht Konsum illegaler Drogen voraus Gesundheitliche Vorteile Nach 20 MinutenPuls und Blutdruck normgerecht Nach 24 Stundensinkendes Herzinfarktrisiko Nach 1 bis 9 MonatenLunge wird allmählich gereinigt Nach 5 JahrenLungenkrebsrisiko ist um 50% reduziert Nach 10 JahrenLungenkrebsrisiko ist weiter gesunken Nach 15 JahrenHerzinfarktrisiko gleicht dem eines Nichtrauchers Initiative zur Primärprävention Robert-Bosch-Schule Homburg: ein Drittel der 570 Schüler rauchen Bestärkung zur Abstinenz Eine Schülerin der 6. Klasse berichtet: „Bei uns rauchen alle. Auch die Verwandten. Ich habe Angst, dass ich mich dem Ganzen nicht entziehen kann und selbst mit dem Rauchen beginne.“ Mädchen rauchen zur Unterdrückung des Hungergefühls Therapie Therapie Cannabis Cannabis Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Haschisch, Dope, Shit •Marihuana, Gras, Pot •Intensivierte Sinne •Konsumzwang •über den Tag hinweg und über Monate •Haschischöl •Entspannung •Einengung Opiate und Opioide Opiate und Opioide Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Morphin •Codein •Euphorie, „Flash“ •keine Endorphine •Toleranz •Heroin •„wie auf Watte“, Analgesie •Verlangen Heroin Heroin Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Derivat v. Morphin •bräunliches Pulver •beruhigend, analgetisch •wirksamste Suchtmittel •rasche Toleranz •10 mg à „Schuss“ •euphorisierend •„Normalzustand“ erhalten Kokain und Crack Kokain Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Koks, Schnee, Coke, Crack, Rocks •weißes Pulver •Selbstvertrauen, Euphorie •Konsumverzicht •Beschaffungs- stress •„coke bugs“ •„high“-Effekt erhalten Kokain: Zahlen Erfahrungen mit Kokain bei 12 - 25jährigen Angaben in Prozent Beschreibung: Lebenszeit-Prävalenz des Kokainkonsums von 1993 - 2004 bei 12 bis 25jährigen in der Bundesrepublik Deutschland Quellenangabe: Drogenaffinität Jugendlicher in der BRD, BZgA 2002, S. 56, Drogenaffinität Jugendlicher in der BRD, BZgA 2004, S. 8 Alter beim Erstkonsum von Kokain Angabe: Alter in Jahren Beschreibung: Alter beim Erstkonsum von Kokain 1993 bis 2004 bei 12 bis 25jährigen in der Bundesrepublik Deutschland Quellenangabe: Drogenaffinität Jugendlicher in der BRD, BZgA 2002, S. 58, Drogenaffinität Jugendlicher in der BRD, BZgA 2004, S. 16 Halluzinogene Halluzinogene Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •LSD, „Acid“ •MDMA: „Ecstasy“, XTC, Adam, Cadillac •stimulierende Wirkung •Toleranz, nicht vegetativ •geringe Konsum- häufigkeit •DTM, Meskalin •Sinnestäuschungen •Verlangen •PCP: Angel Dust, Killerweed, Peace Pill Amphetamine Amphetamine Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Amphetamin •Meth- amphetamin: Speed,Ice •erhöhte Aggressivität •chronisch oder episodisch („speed runs“) nicht vegetativ •eskalierende Dosis •gesteigertes Selbstbewusstsein •gewalttätiges Verhalten 4-Hydroxybutansäure (GHB) 4-Hydroxybutansäure (GHB) Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Narkosemittel •Industrie: Lösungsmittel •innere Wärme, beruhigend •Entzugssymptome •aphrodisierend •langfristiger Ge- brauch: Halluzinationen •Liquid Ecstasy, Liquid X, G-Juice Inhalantien Inhalantien Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Poppers •Schnüffelstoffe •bis zur Euphorie •Toleranz •aphrodisierend •Entzugssyndrom •Nitroverdünner, Benzin u.a.; narkotisierende Arzneien •Zeitaufwand Erholung Schlaf- und Beruhigungsmittel Schlaf- und Beruhigungsmittel Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Benzodiazepine •rezeptpflichtig •angstlösend, emotional entspannend •Niedrigdosis •schlafanstoßend •lange Zeit geringe Dosis •zur Narkoseein- leitung •Hochdosis Schmerzmittel Schmerzmittel Substanz WI RK UN GE N Abhängigkeit •Opiate •rezeptpflichtig, BtMG •schmerzstillend, seelisch/körperlich •stark psychisch, körperlich •Angstfreiheit, Zufriedenheit •schnelle Toleranz •Morphin, Codein, Tramal •rasch Entzugs- symptome Über Drogen reden: 7 goldene Regeln gute Gesprächssituation schaffen eigene Sorgen klar formulieren Situation klären, ohne „Geständnisse“zu erzwingen nicht provozieren lassen den eigenen Umgang mit Suchtmitteln offen ansprechen Informationen einfließen lassen, ohne ein „Expertengespräch“zu beginnen ein gemeinsames Ziel ansteuern Kinder vor Drogen schützen Schritte in die Selbständigkeit Über-und Unterforderung Lernen, Verantwortung zu tragen Loslassen können und Konflikte austragen dem eigenen Denken und Fühlen etwas zutrauen vorleben statt vorschreiben: Eltern müssen nicht perfekt sein Eltern waren auch einmal Kinder ein erster Verdacht, was nun? die wichtigste Regel: etwas für sich selbst tun! Entstehungsbedingungen Leistungsstreben vs. Angenommenwerden Befürchten, dass niemand hinter einem steht –Grundvertrauen Spüren, dass die eigenen Bedürfnisse nicht befriedigt werden Beobachten, wie andere es machen Angst, dass die Welt unter geht Erziehung als freundliches Begleiten Toleranzgrenzen leben, „ja“und „nein“sagen angemessene Grenzen setzen Konflikte lösen, Konflikt als Chance Entwöhnungstherapie in der Oberberg-Klinik Weserbergland Qualifizierte Entgiftung Krisenintervention zur Vorbeugung von Rückfällen Entwöhnungsbehandlung Q.E.– Die schnelle Hilfe Nach dem Rahmenkonzept für die stationäre qualifizierte Entzugsbehandlung alkoholkranker Menschen in NRW Stationäre Heilbehandlung nach §39 SGB V Eigene Oberbergkonzeption mit multiprofessionellen Team Dauer: 3 -4 Wochen; max. 6 Wochen Q.E. – Inhalte Aufbau und Festigung von Krankheitseinsicht als Basismotivation für eine Abstinenzvornahme Stärkung der Abstinenzkompetenz (Wissensvermittlung, Gruppentraining, Selbsthilfegruppenbesuch am Behandlungsort) Motivation für eine weiterführende Behandlung (Auflösung der psychischen Bindung an den Suchtstoff, Abstinenztraining) Soziale Kompetenz Qualifizierte DrogenEntgiftung Kokain, Amphetamine, Cannabis und Opiate einschließlich Heroin Akute stationäre Heilbehandlung Eigene Oberbergkonzeption mit multiprofessionellen Team Dauer: 4 Wochen Gekwalificeerde ontgifting van drugs kundige detoxificatiebehandelingbij verslavingsproblemen m.b.t. cocaine, amphetamine, cannabisen opiateninclusive heroine acutestationairebehandeling gebeurtondertoezichtvan eenmulti-professioneel teamdat ervolgenshetspeciaal „Oberberg-Konzept“werkt gemiddeldeduurvier weken Krisenintervention zur Vorbeugung von Rückfällen Kurzfristige Bewältigung akuter, nicht substanzinduzierter psychovegetativer Krisenzustände Problemanalyse und Ressourcenaktivierung Organisation der ambulanten Nachbehandlung Dauer: 1-2 Wochen, in Einzelfällen bis zu 3 Wochen Krisenintervention – Inhalte tägliche Einzelgespräche (sofortige Entlastung, Versachlichung und Krisenentschärfung) tägliche Gruppengespräche (aktive Auseinandersetzung mit Krise und Problem, verhindern resignative, autoaggressive Rückzüge) verhaltenstherapeutische Einzelgespräche (trainieren Lösungsstrategien) Erlernen von Entspannungstechniken (Entlastung) Erwerb von Selbstkontrolltechniken (Vorbeugung) Abstimmung mit dem Einweiser (Fortsetzung des Stabilisierungsprozesses) Genuss heißt: Alles andere Vergessen Entwöhnungsbehandlung Erhellung der Funktionalität auf dem Hintergrund des Beziehungskonfliktes Rückfallprävention, Entstehungsbedingungen und Bewältigungsmöglichkeiten Belastungserprobungen mit Besuch von Selbsthilfegruppen am Heimatort Paargespräche Organisation der ambulanten Nachbetreuung, Vereinbarung von Intervalltherapien Oberbergmodell A A Diagnostik und Behandlung der Abhängigkeit B B Diagnostik und Behandlung der psychischen Struktur C C Diagnostik und Behandlung körperlicher Erkrankungen D D Ambulante Nachsorge, Intervalltherapie, Selbsthilfegruppen Oberberg-Spezifika Kurzzeitpsychotherapie (6 –8 Wochen versus3 –4 Monate) Behandlungskette: integrierte Entgiftungsbehandlung und organisierte Nachbehandlung Schulenübergreifendes, krankheits-und symptomspezifisches Arbeiten Flexibilität und Individualität durch individuelle Therapiepläne Einzeltherapeut fungiert im multiprofessionellen Team als Führungstherapeut Rückfall und Pairing führen nicht zur Entlassung Die Arbeit mit dem Befindlichkeitsbogen Multiprofessionales Team Suchttherapeut Psychotherapeut Arzt •Krankheitsverständnis •Krankheitsmanagement •interpersonelle Realitäten •intrapsychische Besonderheiten •Entgiftungsbehandlung •Behandlung der Krankheitsfolgen Therapiebestandteile Therapieplan Oberberg Dr. Rohrschach geht mit seinem Hund, Klecks, spazieren…