Dr. Sirko Kupper, Christina Hempel Burnout bei Lehrern – die Folgeerkrankungen und ihre Behandlung 1. Einleitung Der Lehrerberuf bietet gerade in der heutigen Zeit eine der stärksten Herausforderungen im Berufsleben. Begriffe wie hohe Verausgabungsbe- reitschaft, ausgeprägtes Perfektionsstreben und geringe Distanzierungs- fähigkeit sind hiermit verbunden. Das konnte auch in einer kürzlich ver- öffentlichten Studie von Schaarschmidt und Mitarbeitern (2004) gezeigt werden, in der 3176 Lehrer aus Deutschland, Österreich und Polen unter- sucht wurden. Insbesondere die Lehrer und Lehrerinnen mit überhöhtem Engagement bei verminderter Distanzierungsfähigkeit gegenüber den beruflichen Belastungen (Lehrerinnen: 25 %, Lehrer: 26%) und jene mit geringem Arbeitsengagement und starken Einschränkungen in der Distan- zierungsfähigkeit gegenüber den beruflichen Belastungen (Lehrerinnen: 41 %, Lehrer: 26%) leiden unter emotionaler Erschöpfung, Demotivation, Unzufriedenheit, Aversion gegenüber Schülern – kurz sie „brennen aus“ (Stanine-Werte: 5.6 bis 6.7, Schaarschmidt, 2004). Die ersteren erleben trotz hoher Anstrengung keine Entsprechung in einem positiven Lebensgefühl, bei den letzteren ist Resignation und permanentes Überforderungserleben vorherrschend. Wenn dieses Überforderungserleben psychotherapeutisch unbeeinflusst bleibt, ist der Weg in einen Burnout-Zustand gebahnt. Dieses Ausgebranntsein trifft insbesondere diejenigen, die immer die Besten sein möchten, es immer allen recht machen möchten und nicht als egoistisch gelten möchten. 2. Burnout: ein komplexes Syndrom Der in die USA emigrierte deutsche Psychoanalytiker Herbert Freudenberger untersuchte 1974 ehrenamtliche Mitarbeitern in therapeutischen Wohngemeinschaften, Frauenhäusern und Kriseninterventionszentren. Er fand bei ihnen folgende Verhaltens- und Erlebensveränderungen: • Gleichgültigkeit, • Desinteresse, • Schlafstörungen, • Erschöpfung, • Verdauungsstörungen, • vermehrter Alkoholkonsum, • Drogenkonsum. Er prägte in diesem Zusammenhang den Begriff Burnout. Heute verstehen wir diesen Zustand als individuelle Reaktion auf eine persönliche Überforderung vor dem Hintergrund der individuellen Lebens- und Lerngeschichte (s.a. Luchmann, 2002). 1 Das Marktforschungsinstitut EMNID berichtete, dass jeder vierte deutsche Erwerbstätige unter Burnout leidet. Die Ergebnisse wurden in Grafik 1 wiedergegeben. Die Betroffenen erleben folgende Veränderungen (vgl. auch Fengler, 2001): • Resignation, innere Leere, • Gefühle der Sinnlosigkeit, • Erschöpfungszustände, • Schlafstörungen, • andere psychische und physische Störungen. Dieses Leidens- und Beschwerdebild meint einen besonderen Fall berufbezogener chronischer Erschöpfung und wird von der Weltgesundheitsorganisation unter der Überschrift „Probleme, verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung: Erschöpfungssyndrom (Burn-Out-Syndrom, Z 73.0)“ beschrieben. Bekannt ist jedoch, dass das Phänomen des Ausgebranntseins nicht erst eine typische Symptomatik dieses Jahrhunderts ist. Schneider berichtet bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts im ,,Oberpfälzer Schulanzeiger" (1911) von einer ,,modernen Lehrerkrankheit" mit ganz vergleichbaren Merkmalen: • Schlafstörungen, • Überempfindlichkeit von Gehör und Augen, • Kopfschmerzen, • Ermüdung, • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, • Verringerung der Leistungsfähigkeit, • Niedergeschlagenheit oder Übererregbarkeit, • Appetitstörungen und 2 • Arbeitsunfähigkeit. Burnout ist so beschrieben, als das Ergebnis einer ungünstigen Stressbewältigung zu verstehen. 3. Die Rahmenbedingungen der Burnoutentstehung Unbehandelt führt der Burnout-Zustand in eine seelische Erkrankung mit stationärer Behandlungsnotwendigkeit hinein. Eine Untersuchung von Weber, Weltle und Lederer (2004) bestätigen dies: 5548 Lehrer schieden in den Jahren 1996 bis 1999 vorzeitig aus dem Schuldienst aus, die ärztlichen Gutachten diagnostizieren bei 52 % der Betroffenen eine psychosomatische Gesundheitsstörung. 72 % aller Lehrer sind gefährdet seelisch zu erkranken, aufgrund ihrer ungünstigen Bewältigungsstrategien (Schaarschmidt, Ronginska & Arold, 1998). Neben diesen ungünstigen Stressbewältigungsstrategien stellt die tägliche Arbeitsbelastung eines Lehrers einen zentralen Risikofaktor für die Entstehung von Burnout-Zuständen bis hin zu schließlich depressiven Erkankungen dar. Die Wochenarbeitszeit bei Lehrern beträgt nach Studien der Organization for Economic Co-operation and Development (OECD, 2003), von Coghlan, Forsthuber, Minguez, Godenir & Sabadie (2003) und von Mummert Consulting AG (1999) abhängig von der Schulform 45 bis 52 Stunden pro Woche. Daraus ist abzulesen, dass die Arbeitsbelastung der Lehrer enorm hoch ist und daher eine besonders differenzierte Pflege der eigenen Psychohygiene erforderlich wird. Das statistische Bundesamt berichtete im Jahr 2001, dass nur etwa jeder zehnte Lehrer bis zum Renteneintrittsalter 65 arbeitet. Diese Zahlen sind alarmierend. Die zahlenmäßigen Zusammensetzungen zeigt Grafik 2. Als bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die überdurchschnittliche seelische Belastung, die die Ausübung des Lehrerberufs mit sich bringt, in stärkerem Ausmaß zur Dienstunfähigkeit 3 führt als das in anderen seelisch stark beanspruchenden Berufsfeldern der Fall ist. In Grafik 3 wird eine Übersicht über die Entwicklung der Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit seit 2000 wiedergegeben. Der darin zu erkennende Positivtrend ist als erfreulich einzustufen. Gleichfalls wird aber auch nicht die Dramatik verwischt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Wer diese Zahlen liest, der versteht, wie sich die ausgeprägten Arbeitsbelastungen der Lehrer und die Kombination mit ungünstigen Bewältigungsstrategien auswirken. Schließlich treffen wir innerhalb der Population der Lehrer und Lehrerinnen mit 8.5 % einen 3fach so hohen Krankenstand an, wie bei anderen Arbeitnehmern. Ohne weitere Psychotherapie führen diese Überforderungszustände in depressive Erkrankungen mit stationärem Behandlungsbedarf hinein. Diese dritthäufigste psychische Störung in der Allgemeinbevölkerung trifft zum aktuellen Zeitpunkt jeden zehnten in Deutschland (Wittchen, Pfister, Schmidtkunz, Winter & Müller, 2000), d.h. jeder vierte wird irgendwann in seinem Leben einmal depressiv erkranken. Frauen erkranken früher und doppelt so häufig wie Männer. In der Freiburger Schulstudie konnte Bauer (2004) zeigen, dass fast zwei Drittel der Lehrerinnen und Lehrer (63%) über eine geringe Distanzierungsfähigkeit verfügen. Eine Hypothese kann die zu späte Inanspruchnahme von Psychotherapie sein. In unserer eigenen Untersuchung über die letzten acht Jahre unserer Klinik hinweg (Kupper, 2005a) ermittelten wir, dass jeder fünfte Patient, das sind 635 der 3357 behandelten Patienten, Lehrer war. Der Zeitraum zwischen dem ersten Auftreten der Depressionserkrankung und der Aufnahme in unserer Klinik betrug 8 Jahre. Bei den behandlungsbedürftigen seelischen Erkrankungen rangieren die Depressionen zahlenmäßig an zweiter Stelle. Führend sind hier die Suchterkrankungen. Die Verteilung der Diagnosen bei Lehrern ist in Tabelle 1 dargestellt. Das heißt, als Folge des ungünstig bewältigten Burnouts, stellt die Depression die zweithäufigste, die Suchterkankungen sogar die häufigste 4 Behandlungsdiagnose in unserer Klinik dar. 62 % der depressiv erkrankten Lehrer sind Frauen, 38 % Männer. Folgende Ergebnisse unserer Inferenzstatistik können wir berichten: 1. Das Alter der Lehrerinnen und Lehrer bei der Aufnahme in unserer Klinik beträgt im Mittel 51 Jahre und ist damit signifikant höher als bei anderen Berufsgruppen (N=3107, T=5.07, df=3105, α<0.001), 2. Lehrer kommen hochsignifikant später zur stationären Aufnahme (N=1130, T=0.35, df=1128, α<0.001), 3. sie erkranken hochsignifikant häufiger an Depressionen (N=3113, T=5.69, df=3111, α<0.001) und 4. werden hochsignifikant später seelisch krank als Erwerbstätige anderer Berufsgruppen (N=1204, T=3.94, df=1202, α<0.001). Desweiteren ergab sich in unsren Untersuchungen, dass im Vergleich zu anderen Berufsgruppen die an Depression erkrankten Lehrer über deutlich mehr ambulante und stationäre Therapieerfahrung verfügen (24 % aller Patienten mit stationärer Therapieerfahrung sind Lehrer; die Unterschiede sind nicht signifikant). Bei der Zuspitzung in eine Substanzstörung hinein, treten bei den von uns behandelten Patienten zusätzlich massive berufliche Probleme als Folge der Erkrankung auf: • Bei 3.3 % der suchtkranken Lehrerinnen und Lehrer sind behördliche Maßnahmen in Kraft getreten, • 5 % wurden wegen Dienstunfähigkeit entlassen und • 9 % standen vor der drohenden Entlassung aufgrund abhängigkeitsbedingter beruflicher Probleme. 4. Hintergründe für das Burnout und seine Folgen Die zweithäufigste Behandlungsdiagnose bei Lehrern ist in unserer Klinik die Depression. Die Hauptsymptomatik besteht bei den Depressionspatienten in Schuldgefühlen, einer Antriebsminderung, Resignation, Suizidgedanken, in verminderter Konzentration, vermindertem Selbstwertgefühl und negativen Zukunftsperspektiven. Gründe für die besondere Häufung depressiver Erkrankungen bei der Berufsgruppe der Lehrer werden vielfach diskutiert. Übereinstimmend als Hauptbelastungspunkt im Erleben der Lehrer (Wendt, 2001) werden die Schüler angeführt, die: Störung Anteil Depressionen 26 % 17 % Persönlichkeitsstörung 9 % Angststörung 4 % Andere psychische Erkrankungen Andere psychische Störung 4 % 57 % Alkoholabhängigkeit 47 % Medikamentenabhängigkeit 8 % Abhängigkeitserkrankung Politoxikomanie 2 % Tabelle 1. 5 • schwatzen, • unruhig sind, • rangeln und • die üblichen Regeln der Höflichkeit nicht beachten. Die Lehrertätigkeit selbst wird von den meisten Lehrern als sehr belastend erlebt. Auch eine Studie der Universität Lüneburg (Sieland, 2001) konnte das belegen. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass… …die Rahmenbedingungen, …die Kollegen und …die Schüler die wichtigste Rolle unter den erlebten Belastungsfaktoren spielen. Die Hauptbelastung, die in der Lehrertätigkeit selbst liegt, wird nicht zuletzt durch die hohe Rate an psychisch erkrankten Kindern mitbestimmt. 10 % aller Kinder und Jugendlichen sind chronisch psychisch krank und 8 % sogar über 10 Jahre hinweg (Ihle & Esser, 2002; Petermann, Döpfner, Lehmkuhl & Scheithauer, 2000). Folgende Gründe haben Lehrer in der empirischen Untersuchung von Schaarschmidt und Mitarbeiter (2004; s.a. Schaarschmidt & Fischer, 2001) als besonders belastend eingeschätzt: • die hohe Stundenzahl, • Verhalten schwieriger Schüler und • die Klassenstärke. PRIGES (2005) ergänzt diese Aufstellung durch folgende Punkte: • zusätzliche Aufgaben zur Unterrichtsgestaltung, • die fehlende Unterstützung durch die Schulleitung sowie • Enttäuschungen hinsichtlich der individuellen Zielsetzungen und Erwartungen. Dies sind die wesentlichen Belastungsfaktoren für einen Lehrer in der heutigen Zeit. Das alleine führt jedoch nicht zum Burnout. Erst das Missverhältnis von Anforderungsdruck und Bewältigungsstrategie gibt den entscheidenden Ausschlag für die Burnoutentwicklung. Dieses Ungleichgewicht kann durch die Verbesserung der individuellen Stressbewältigung ausgependelt werden. Der Hauptansatzpunkt hierfür sind die eigenen Einschätzungen und Bewertungen, die von den Emotionen eingefärbt werden. So führen unrealistische oder absolute innere (An-)Forderungen sehr schnell zu innerem Stress und bei Nichterfüllung dieser an sich selbst gesetzten Maßstäbe, langfristig zu Burnout. Typische Beispiele für diese Anforderungen an sich selbst sind: • „Starke Menschen brauchen keine Hilfe.“, • „Ich darf niemandem wehtun.“, • „Es gibt nichts Schlimmeres, als Fehler zu machen.“, • „Ich bin für alles verantwortlich.“, • „Es ist wichtig, dass mich alle mögen.“, • „Ich mache immer alles falsch.“, • „Ich bin minderwertig.“, • „Auf andere kann ich mich nicht verlassen.“. 6 Diese Liste ließe sich mit Sicherheit noch lange fortsetzen. In Verbindung mit ungünstigen Bewältigungsstrategien wie Vorwürfen, Gedankenkreisen oder Vermeidung kommt es zur Vertiefung und Verfestigung dieser unangemessenen Anforderungen. Die Methode der Wahl ist die Umbewertung des unmittelbar entstehenden Eindrucks. Es resultieren dann weniger absolute Einschätzungen wie die folgenden Beispiele zeigen: • „Jeder braucht einmal einen anderen.“, • „Ich möchte nicht gerne jemand anderem weh tun, wenn es jedoch passiert, so ist auch das für mich lebbar.“, • „Ich fände es sehr schön, wenn mich alle mögen, es muss aber nicht unbedingt so sein.“, • „Es wäre schön, wenn mir keine Fehler unterlaufen, aber selbst wenn ich mal etwas falsch mache, kann ich noch einigermaßen zufrieden und glücklich leben (wenn auch nicht so wie ohne den gemachten Fehler).“. Neben der Neubewertung stellen... ... die Selbstberuhigung: sich Mut machen, Entspannungsverfahren, ... positive Selbstgespräche: Rückbesinnung auf erfolgreiche Bewältigungen und ... die Informationssuche günstige Bewältigungsformen dar (Bodenmann, 2000). Manchmal sind auch passive Strategien im Sinne von Informationsunterdrückung und darauf warten, dass sich die Situation von alleine zum Besseren wendet, günstig (s.a. Bodenmann, 2000). Neben dem Abbau von unangemessenen Selbstüberzeugungen und dem Aufbau von angemessenen Einstellungen kann auch die Entwicklung von sozialkompetenten Verhaltensweisen hilfreich sein. Unnötiger Stress wird dadurch bereits frühzeitig auf Distanz gehalten (Bodenmann, 2000; Hautzinger, 2000). Als Voraussetzung sollte gegeben sein, dass die beabsichtigte Bewertung oder Verhaltensweise auf ihre Angemessenheit hin überprüft wird und auch der Adressat daraufhin untersucht wird, ob es die passende Person, zum passenden Zeitpunkt, am passenden Ort ist. Exemplarisch sollen einige sozialkompetenten Verhaltensweisen genannt werden (Hautzinger, 2000): • Nein-Sagen-Können, • Gefühle offen zeigen und äußern, • Blickkontakt halten, • Um einen Gefallen bitten können, • Auf seinem Recht bestehen, • Schwächen eingestehen, • Kritik geben und Kritik annehmen. Genau bei diesen Überlegungen setzt unser Therapiekonzept an. 5. Stationäre Kurzzeittherapie Unser Therapieprogramm hat eine tiefenpsychologische Grundausrichtung und bezieht verhaltenstherapeutische und ressourcenaktivierende Elemente 7 mit ein (siehe Grafik 4). Die zentrale Besonderheit ist seine Individualität und seine Intensität (Gottschaldt, 1997). Die Individualität wird durch das Erstellen persönlicher Therapiepläne gewährleistet, die Symptomverläufe, Komorbiditäten und soziale Risiken des Patienten berücksichtigen. Die Intensität des Therapieprogrammes wird durch tägliche Einzel- und Gruppentherapien gewährleistet – auch an Feiertagen und bedarfsorientiert auch an Wochenenden. Für jeden Patienten wird ein Bezugstherapeut bestimmt, der in den täglichen Gesprächskontakten von 50 Minuten sowohl die aktuellen Erlebnisse des Patienten mit diesem reflektiert als auch im Rahmen einer fokussierenden Kurzzeitpsychotherapie symptomorientiert und konfliktorientiert arbeitet. Die tägliche 100-minütige Kleingruppenarbeit, in denen die Patienten interaktionell an ihren Problemen arbeiten, werden durch die nonverbalen Verfahren im Rahmen der tiefenpsychologisch fundierten Gestaltungstherapie und der körperorientierten Therapie ergänzt. Spezielle indikationsgeleitete Gruppen (Depressions- und Angstgruppen, Abstinenzkompetenz- und Rückfallpräventionstraining in Anlehnung an das Konzept von Marlatt) und Einzelsitzungen vermitteln Informationen über die vorliegende Erkrankung und trainieren einen adäquaten Umgang mit dem Auftreten krankheitsauslösender Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster sowie mit möglichen Symptomrückfällen. Täglich werden Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Relaxation vermittelt und geübt (Kupper, 2002a,b, 2003a,b). Die Einbeziehung von Angehörigen in Form von Paargesprächen, der Besuch regionaler Selbsthilfegruppen schon während der stationären Therapie und während der durchgeführten Belastungserprobungen im häuslichen oder im beruflichen Umfeld und die rechtzeitige Vorbereitung der ambulanten Nachsorge am Wohnort runden das Programm ab. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es möglich ist, schon während der initialen Behandlungsphase tragfähige Arbeitsbeziehungen zum Patienten aufzubauen und ihm nach Abklingen der Akutsymptome ein Wochenprogramm von ca. 35 Therapiestunden anzubieten. 8 Wir bieten folgende Behandlungsmöglichkeiten an: • Depressionsbehandlung, • Angstbehandlung, • Entgiftungsbehandlung, • Qualifizierte Entgiftung, • Entwöhnungsbehandlung, • Krisenintervention, • nachstationäres berufliches Rehabilitationsprogramm. Allen diesen Behandlungsmöglichkeiten ist gemeinsam, dass sie sowohl Strategien zur Vorbeugung von Symptomrückfällen als auch konkrete Veränderungsspielräume für die konflikthaft gestalteten Beziehungen und ungelösten Lebensprobleme erarbeiten. Die Ergebnisse unserer aktuellen Untersuchung zeigen (Kupper, 2005), dass in den letzten acht Jahren 12 % der Teilnehmer des beruflichen nachstationären Rehabilitationsprogrammes Lehrer waren. 57 % von ihnen haben diese einjährige Nachbeobachtungsphase erfolgreich abgeschlossen. Dies entspricht in der Größenordnung auch dem erfolgreichen Abschluss aller Teilnehmer des Rehabilitationsprogrammes in den Jahren 1997 bis 2005 (64 %). Die Erfahrungen unserer Arbeit zeigen, dass Burnout und die psychischen und psychosomatischen Folgeerkrankungen erfolgreich behandelt werden können. Sollten Erschöpfungszustände trotz ambulanter Interventionen chronifizieren, ist es durchaus sinnhaft, durch stationäre Kriseninterventionen psychischen und psychosomatischen Folgeerkrankungen vorzubeugen. Werden Suchterkrankungen oder Depressionen als Folge eines unbehandelten Burnout-Zustandes diagnostiziert, besteht eine klare Indikation für eine stationäre Aufnahme. Dr. Sirko Kupper Psychologischer Psychotherapeut Stellvertretender Therapeutischer Leiter der Oberberg-Klinik Weserbergland Christina Hempel Psychologische Psychotherapeutin Supervisorin/BDP Therapeutische Leiterin der Oberberg-Klinik Weserbergland 9 Literatur Bauer, J. (2004). Die Freiburger Schulstudie. SchulVerwaltung BW, 12, 259–264. Bodenmann, G. (2000). Kompetenzen für die Partnerschaft. Weinheim [u.a.]: Juventa. Coghlan, M., Forsthuber, B., Minguez, M. L. G., Godenir, A. & Sabadie, J. (2003). Der Lehrerberuf in Europa: Profil, Tendenzen und Anliegen. Bericht III: Beschäftigungsbedingungen und Gehälter. 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