Stationäre Kurzzeittherapie in der Behandlung substanzabhängiger Ärzte Überblick Einleitung: Wenn Ärzte krank werden Schwierigkeiten zu Beginn der Behandlung Wie geht unser Konzept auf diese Schwierigkeiten ein Ergebnisse Wenn Ärzte krank werden • Längere Krankheitsentwicklung wegen Verleugnung aufgrund Differenz zum Selbstbild, das coabhängige Umfeld (indirekt, direkt) • Lang anhaltende Kontrollillusionen • Zahlen: Erstmanifestationsalter, Zeitraum bis zur ersten Behandlung, Alter bei Aufnahme Splitter im Auge des anderen... Krankheitsentwicklung Der Doktor merkt es als letzter... Diagnosen Ärzte... • ...sind sich signifikant früher ihres problematischen Medikamenten•konsums bewusst (N=455, •=0.04), tendentiell gilt dies auch beim Alkohol (N=1573, •=0.06) • ...trinken signifikant länger Alkohol (N=1054, •=0.04) und gehen im Verhältnis dazu hochsignifikant später in eine Entwöhnung (N=300, •=0.01) als andere Alkoholabhängige • ...gehen hochsignifikant seltener in Entgiftungen als andere Alkohol- und Medikamentenabhängige (N=1729, 0.001) • Wenn die Lust zur Last wird... Viele Wege führen nach Rom... • vielfach aber erst die Existenzbedrohung oder berufliche Probleme in die stationäre Behandlung - bei 3 % erfolgte ein Ruhen oder Entzug der Approbation - 13 % der betroffenen Ärzte war diese Maßnahme angedroht - 4 % befanden sich in drohenden oder vollzogenen Entlassungen bzw. Praxiskonkursen - bei 15 % waren die Patientenzahlen zurückgegangen (Niedergelassene) - 65 % der stationär behandelten Ärzte berichteten keinerlei negative Auswirkungen Andere Schwierigkeiten • Wechsel in die Patientenrolle und Hilfe annehmen; „Mythos“ Arzt, selbst an Grenzen gestoßen, krank sein • antrainierte Haltung; Primus • Behandlungsbeziehung eingehen; Rollenwechsel schwierig • Versuch eines „kollegialen Gespräches“; Distanz, um emotionale Berührung zu verhindern • Einmischung in die Behandlung, Behandlungsplan, •interventionen usw. usf.; kein Vertrauen in die Kollegen • Einmischung in die Behandlung der Mitpatienten, Bsp. Akkupunktur, Diskussion der Medikation, Rezepte ausstellen; Selbstwertgewinn Regelverstöße • Ärzte: 33% • Angehörige anderer Berufsgruppen: 24 % Vorteile • Überwiegend intakt gebliebenes soziales Stützsystem • medizinisch-therapeutisches Wissen • hohes Maß an Durchhaltefähigkeit und Selbstkontrolle • ...und ihre Auswirkungen... • Kognitive Krankeitsakzeptanz: 73% vs. 60 % (N=2346, •0,001) • Scham-/Schuldgefühle bearbeitet: 61% vs. 50% (N=2346, •0,001) • Funktionalität erkannt: 50% vs. 47% (N=2346, •0,001) • Befindlichkeitskonzept erarbeitet: 68% vs. 60% (N=2346, • 0,001) • emotionale Krankheitakzeptanz: 42% vs. 31% (N=2344, • 0,001) • positioniert: 58% vs. 48% (N=2345, • 0,001) • Abhängigkeitsmechanismen erkannt: 63% vs. 48% (N=2346, • 0,001) • Rückfalldynamik erkannt: 49% vs. 39% (N=2346, • 0,001) Rückfall und Pairing Ärzte vs. Angehörige anderer Berufsgruppen • Pairing in gleichem Anteil (N=2347, •=0.963) • seltener Rückfälle während der aktuellen Therapie (N=2348, • 0.001) Gründe für die Suchtentstehung bei Ärzten • Hohe Anforderungen in den medizinischen Berufen • leichte Verfügbarkeit von Medikamenten • Krankheitsdisponierende Erschöpfung durch Überarbeitung (52.4 Stunden pro Woche) • hoher Verantwortungsdruck und Verantwortung in Extremsituationen, Konfrontation mit Sterben, Leid ohne angemessene Bewältigungsstrategien bzw. -zeit • ungeregelte Arbeitszeit • lange Aus- und Weiterbildungszeiten • Motivation zur Berufswahl - Helfersyndrom; emotionales Relief Individuelle Therapiemodule für Abhängigkeitskranke • Qualifizierte Entgiftung - die Schnelle Hilfe • Qualifizierte DrogenEntgiftung: Die Sofort-Hilfe! • Gekwalificeerde ontgifting van drugs: Onmiddelijke hulp! • Entgiftungs-/Motivations-/Entwöhnungstherapie • Rückfallbehandlung • Intervallbehandlung • Krisenintervention zur Vorbeugung von Rückfällen • Berufliches nachstationäres Rehabilitationsprogramm für substanzabhängige Ärzte und andere Berufsgruppen Berufliches Rehabilitationsprogramm • 1997 von Prof. Gottschaldt mit der Ärztekammer Hamburg entwickelt • nach erfolgreich abgeschlossener stationärer Therapie zunächst etwa einmal pro Monat zu Kontrolluntersuchungen in der Oberbergklinik (beinhaltet Screeninguntersuchungen) • nach jedem Termin ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht mit Beschreibung des Therapieverlaufs inklusive einer Stellungnahme zur Prognose • Vorlage des Berichts bei seinen Disziplinarvorgesetzten bzw. den aufsichtsführenden Stellen (z.B. Ärztekammern, Regierungspräsidenten, Amtsärzten, Vorgesetzten usw.) regelmäßig im persönlichen Kontakt • Ein Jahr nach Beginn dieser Maßnahme erfolgt eine Abschlussuntersuchung mit schriftlichem Befundbericht und bei positivem Verlauf der Empfehlung, die Akten zu schließen Ergebnisse Erfolgsquoten von bis zu 60 % berichtet auch Damm (2000: Erfahrungen mit demHilfsangebot Hamburg an suchtkranke Ärzte. In J. Zerdick [Hrsg.], Schriftenreihe der DGS, Band 5: Suchtmedizin im Dialog, Kongressband des 9. Kongresses der DGS am 5.11.2000 in Münster. VWB Verlag, S. 251-257) Diskussion • 1997-2005: N=2993 Patienten, davon 73 % Suchtpatienten, inklusive 20% (N=3357) Komorbiditäten mit psychischen Störungen, 27% nur psychisch N=364 Ärzte, davon 79 % Suchtpatienten, inklusive 29% Komorbiditäten mit psychischen Störungen, 21% nur psychisch • 73 % der substanzabhängigen Ärzte sind männlich, im Vergleich zu 58 % der Angehörigen anderer Berufsgruppen (N=2356, • 0,001) • Majorität im Altersbereich 40-59 (77%), im Vergleich zu 70 % der Angehörigen anderer Berufsgruppen • schwerwiegende berufliche Probleme hochsignifikant häufiger als bei Angehörigen anderer Berufsgruppen (N=2291, • 0,001) • Medikamentenmissbrauch und die -abhängigkeit treten hochsignifikant häufiger auf (N=1665, • 0,001), ebenso die Polytoxikomanie • Opiate und andere suchterzeugende Medikamente werden von Ärzten hochsignifikant häufiger konsumiert (N=1572, • 0,001) • Ärzte sind hochsignifikant häufiger alkohol- und medikamentenabhängig als Angehörige anderer Berufsgruppen (23% vs. 8%; N=2356, • 0,001) Q.E.– Die schnelle Hilfe • Nach dem Rahmenkonzept für die stationäre qualifizierte Entzugsbehandlung alkoholkranker Menschen in NRW • Stationäre Heilbehandlung nach § 39 SGB V • Eigene Oberbergkonzeption mit multiprofessionellen Team • Dauer: 3 - 4 Wochen; max. 6 Wochen Q.E. – Inhalte • Aufbau und Festigung von Krankheitseinsicht als Basismotivation für eine Abstinenzvornahme • Stärkung der Abstinenzkompetenz durch Wissensvermittlung, Gruppentraining und Selbsthilfegruppenbesuch am Behandlungsort • Motivation für eine weiterführende Behandlung, die die Auflösung der psychischen Bindung an den Suchtstoff und die Rückfallprophylaxe in den Behandlungsmittelpunkt stellt • Sozialkompetentes Positionieren im Gespräch mit den Angehörigen • Qualifizierte Entgiftung bei Konsum von Kokain, Amphetaminen, Cannabis und Opiaten einschließlich Heroin • Akute stationäre Heilbehandlung • Eigene Oberbergkonzeption mit multiprofessionellen Team • Dauer: 4 Wochen Qualifizierte DrogenEntgiftung Gekwalificeerde ontgifting van drugs • kundige detoxificatiebehandeling bij verslavingsproblemen m.b.t. cocaine, amphetamine, cannabis en opiaten inclusive heroine • acute stationaire behandeling • gebeurt onder toezicht van een multi-professioneel team dat ervolgens het speciaal „Oberberg-Konzept“ werkt • gemiddelde duur vier weken • Kurzfristige Bewältigung akuter, nicht substanzinduzierter psychovegetativer Krisenzustände • Problemanalyse und Ressourcenaktivierung • Organisation der ambulanten Nachbehandlung • Dauer: 1-2 Wochen, in Einzelfällen bis zu 3 Wochen Krisenintervention zur Vorbeugung von Rückfällen Krisenintervention – Inhalte • durch tägliche Einzelgespräche erfolgt eine sofortige Entlastung, Versachlichung und Krisenentschärfung • die tägliche Gruppengespräche fördern eine aktive Auseinandersetzung mit Krise und Problem und verhindern resignative, autoaggressive Rückzüge • Zusätzliche verhaltenstherapeutische Einzelgespräche trainieren Lösungsstrategien • Durch das Erlernen von Entspannungstechniken wird eine wirksame Entlastung ermöglicht • Der Erwerb von Selbstkontrolltechniken dient der Vorbeugung zukünftiger Krisen • Die Abstimmung mit dem Einweiser sichert eine Fortsetzung des Stabilisierungsprozesses Genuss heißt: Alles andere Vergessen Entwöhnungsbehandlung • Erhellung der Funktionalität auf dem Hintergrund des Beziehungskonfliktes • Rückfallprävention, Entstehungsbedingungen und Bewältigungsmöglichkeiten • Belastungserprobungen mit Besuch von Selbsthilfegruppen am Heimatort • Paargespräche • Organisation der ambulanten Nachbetreuung, Vereinbarung von Intervalltherapien Oberbergmodell Oberberg-Spezifika • Kurzzeitpsychotherapie (6 – 8 Wochen versus 3 – 4 Monate) • Behandlungskette: integrierte Entgiftungsbehandlung und organisierte Nachbehandlung • Schulenübergreifendes, krankheits- und symptomspezifisches Arbeiten • Flexibilität und Individualität durch individuelle Therapiepläne • Einzeltherapeut fungiert im multiprofessionellen Team als Führungstherapeut • Rückfall und Pairing führen nicht zur Entlassung • Multiprofessionales Team Suchttherapeut Psychotherapeut Arzt • Krankheitsverständnis • Entgiftungsbehandlung • Krankheitsmanagement • Behandlung der Krankheitsfolgen • interpersonelle Realitäten • intrapsychische Besonderheiten Therapiedimensionen Therapieplan