Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 1 Thema: Übertragungsanalyse bei Fürstenau (entwicklungsfördernde [lösungsorientierte] psychoanalytisch-systemische Psychotherapie) 1 Gliederung 1. Überblick 2. Definition des Begriffs Übertragung und Übertragungsanalyse 3. Übertragungsanalyse bei Fürstenau 4. Möglichkeiten der Anwendung im klinischen Kontext, Probleme, Schwierigkeiten, Schwerpunkte Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 2 2 Überblick Zunächst möchte ich den zentralen Begriff des Themas Übertragung und deren Analyse in der therapeutischen Begegnung definieren. Dabei wird über den Stellenwert der Übertragung im psychotherapeutischen Kontakt, den Wiederholungszwang, die Übertragungsneurose und das Ziel einer Übertragungs- analyse zu sprechen sein. Im Anschluß daran werde ich kurz umreißen und durch die Darstellung prägnanter Beispiele verdeutlichen, was Fürstenau unter Übertragungsanalyse versteht. Die Anwendungsmöglichkeiten im hiesigen klinischen Kontext sollen diskutiert werden und Schwierigkeiten aufgezeigt werden. 3 Definition des Begriffs Übertragung und Übertragungsanalyse „Man kann nicht nicht übertragen.“ (Grawe, Donati & Bernauer, 1994) 3.1 Übertragung - Ermann (1999): Übertragung ist die Manifestation der Regression in einer Beziehung - sie stellen sich also in allen zwischenmenschlichen Beziehungen ein (Thomä & Kächele, 1985) - Übertragung ist zu verstehen als zwischenmenschliche zur Gewohnheit gewordene Beziehungen aus der Vergangenheit (Haesler, 1994) - Greenson (1967): Übertragung ist eine besondere Art der Beziehung zu einer Person, eine besondere Form der Objektbeziehung. Hauptmerkmal ist das Erleben von Gefühlen einer Person gegenüber, die zu dieser in Wirklichkeit nicht passen und die sich in Wirklichkeit auf eine andere Person beziehen, d. h. auf eine Person in der Gegenwart wird so reagiert, als wäre sie eine Person in der Vergangenheit; Übertragung ist eine Wiederholung, eine Neuauflage einer alten Objektbeziehung; sie ist ein Anachronismus, ein Irrtum in der Zeit; eine Verschiebung hat stattgefunden; Treibimpulse, Gefühle und Abwehrhaltungen, die sich auf eine Person in der Vergangenheit beziehen, sind auf eine Person in der Gegenwart verschoben worden; dies ist in erster Linie ein unbewußtes Phänomen und die Person, die mit Übertragungsgefühlen reagiert, ist sich weitgehend dieser Verzerrung nicht bewußt; (Übertragung=Übertragungsreaktionen) Übertragungsreaktionen sind immer unangemessen, in bezug auf die Qualität, die Quantität oder die Dauer der Reaktion; die Übertragungsreaktion ist im aktuellen Zusammenhang unangemessen, aber sie war früher einmal eine angemessene Reaktion auf eine Situation in der Vergangenheit (so unpassen wie für Person in Gegenwart, so passend war sie für Person in der Vergangenheit); Z: Übertragungen sind im wesentlichen Wiederholungen einer früheren Objektbeziehung; -Haesler (1994): das Subjekt – Patient – gebraucht das Objekt –Therapeut – in vergleichbarer Weise, wie er es ursprünglich in seiner Lebensgeschichte als unbewußt bestimmtes Muster entwickelt hat; (d.h. der Patient erlebt die, in seiner Lebensgeschichte erworbene Form des Dialogs, seine persönliche Gleichung im Spiel von Übertragung und Gegenübertragung) Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 3 -Freud (1905) – [Bruchstück einer Hysterieanalyse]: Übertragungen sind Neuauflagen, Nachbildungen von Regungen und Phantasien, die während des Vordringens der Analyse erweckt und bewußt gemacht werden sollen; a) unveränderte Neuauflagen (Neudrucke): Übertragung unterscheiden sich von ihrem Vorbilde in gar nichts bis auf Person; Neubearbeitungen: indem sich die Übertragung an irgend eine geschickt verwertete reale Besonderheit an der Person oder in den Verhältnissen des Arztes anlehnen; - Freud (1910) – [Über Psychoanalyse]: Übertragung stellt sich in allen zwischenmenschlichen Beziehungen, auch im Verhalten zum Arzt spontan her, sie ist überall der eigentliche Träger der therapeutischen Beeinflussung und wirkt um so stärker, je weniger man ihr Vorhandensein ahnt; 3.2 Übertragungsneurose - von Freud (1905, 1914, 1916-1917) gewählt, um ein regelmäßiges Vorkommnis in den Übertragungsreaktionen des Patienten in der psychoanalytsichen Behandlung zu beschreiben; - Freud (1914): Der Wiederholungszwang des Patienten kann nutzbar gemacht werden, wenn die Übertragung als Tummelplatz eröffnet wird; wenn es gestattet wird, sich dieses entfalten kann, kann Patient alles vorführen, was er sich in seinen pthogenen Trieben verborgen hat; wenn es „richtig“ gehandhabt wird, ist es möglich, den Symptomen der Erkrankung eine neue Übertragungsbedeutung zu geben und seine gemeine Neurose zu ersetzen; - Greenson (1967): die Übertragungsneurose ist eine Neuauflage der alten Krankheit und ist an jedem Punkt den Interventionen zugänglich; sie ist das wichtigste Hilfsmittel, um zu den abgewehrten, früheren pathogenen Erlebnisse Zugang zu gewähren; das Wiederbeleben der verdrängten Vergangenheit mit dem Analytiker ist die wirksamste Möglichkeit, neurotische Abwehr und neurotischen Widerstand zu überwinden; gemeinsam mit wirksamem Arbeitsbündnis wird die Deutung schließlich zur Auflösung der Übertragung führen; 3.3 Gegenübertragung - Ermann (1999): das Gegenstück zur Übertragung in der Analyse ist die antwortende Reaktion des Analytikers, sie wird Gegenübertragung genannt - Sandler (1976): Grund liegt in unbewußter Tendenz menschliches Verhaltens: a) Neigung andere zu veranlassen, sich so zu verhalten, wie man es von Ihnen erwartet, b) Bereitschaft auf Erwartungen anderer einzugehen und sie zu erfüllen; - Haesler (1994): bei diesem Gebrauchen des Analytikers in der analytischen Situation hat er bei seinem Analytiker damit zu rechnen, daß dieser die ihm angetragene Situation nicht annimmt, sondern sich ihr deutend widersetzt; insbesondere wenn die Entfaltung dieser unbewußten Beziehungsmuster des Patienten, seiner persönlichen Gleichung (die oben Übertragung genannt wurde) zugleich im Analytiker im Sinne einer Beziehungsfigur oder Beziehungsgestalt spezifische Reaktionen, gleichsam Resonanzphänomene evoziert, z. B. im Sinne einer Verführung, die schwärmerische Idealisierung anzunehmen und zu genießen; derartige Resonanzphänomene nennen wir Gegenübertragung, die man, wenn man sich ihrer gewahr werden und diese in analytischer Abstinenz und Neutralität aushalten und für sich behalten mag, therapeutisch für das Erkennen der unbewußten Beziehungsstrukturen, die Patienten in psychoanalytischer Situation zu kontrollieren tendiert, nutzbar d.h. bewußt gemacht werden. Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 4 Schluß: so schließlich Wege aus den unbewußt motivierten Stereotypien des Verhaltens und Erlebens, aus Wiederholungszwängen, gefunden und im Laufe des Prozesses auch die psychoneurotischen Symptome mit den sie begründenden Konflikthintergrund überwunden werden. Kritik VT: bloßes Wegtrainieren von Symptomen, so erfolgreich wie in VT gelingen mag, ändert jedoch nichts Wesentliches an deren Hintergrund, an deren Geschichte aus der es hervorgegeangen ist, nichts Wesentliches, wenn auch Erleichterung spürbar; Zeil: des deutenden Diskurses, in diese Öde solcher verletzten Vereinsamungen menschliche Beziehungsmöglichkeiten zu tragen und die von Mißtrauen, Gram, Verachtung und Verbitterung bestimmte narzißtische Grandiosität in lebendiger, herrschaftsfreier Verständigung (der herrschaftsfreie Dialog, d.h. noch nicht bewußtes gemeinsam finden, deuten, gleichwertig und doch verschiedenen; gleichwertige Begegnung zweier Menschen; von narzißtischer Situation zur objektalen Situation; Objekt, das Pat. Angbot unterbreitet; Greenson: Beobachter macht sich eine Vorstellung, konstruiert ein Modell vom Patienten- dieses wird ständig nach neuen Aspekten verändert) zu überwinden und damit den Blick über die Quellen möglicher zwischenmenschlicher Verständigung zu öffnen; Gegenübertragung ist kein Hemmnis, sondern ein wichtiges Instrument. Man muß mit ihm umgehen, es spielen können; - Freud: „Wir sind auf die Gegenübertragung aufmerksam geworden.. der Arzt diese Gegenübertragung bewältigen müsse.“ - Paula Heimann (1950): Gegenübertragung als unschätzbares Mittel zum Verstehen des Beziehungs- und Verstänbigungsgefüges; - Kleinianer H. Racker: Aktualisierung einer Beziehungsfigur; Projektive Identifizierung: „Der Analytiker wird in die innere Welt des Patienten hineingezogen.“, Patienten benutzen, kontrollieren und beherrschen den resonanzerzeugenden Anteil im Analytiker; Riviere: „die Phantasie, das das Selbst aus Liebe und Haß in Teilen oder als Ganzes in das innere eines Objektes eindringt, um es zu besitzen und von innen zu kontrollieren.“ Projektive Identifikation: Vorgang vermittels das (urspr. kindl.) Ich Angst zu beseitigen sucht: die Ausstoßung gefährlicher, unbewußter zerstörerischer Inhalte in (ursprüngl. mütterl.) Objekt; mit diesen Inhalten wird auch die ausstoßende, eindringende Eigenschaft selbst projiziert; bei der Übereignung, Phantasien als omnipotent erlebten Ichs, aß sich fortan von einem bösen und projektiv eindringenden Objekt bedroht, denn das Objekt enthält in dem Erleben des Ich nicht nur die ihm projektiv eingetragenen Inhalte, sondern ist auch mit Ihnen identifiziert; - Heimann (1950): Gegenübertragung alle Gefühle die Analytiker dem Pat. gegenüber erlebt; Annahme: das Unbewußte des Analytikers versteht das des Pat., dieser Rapport auf einer tiefen Ebene kommt in Form von Gefühlen zur Oberfläche, die der Analytiker als Antwort auf seinen Pat. bemerkt, eben in der Gegenübertragung - Greenson (1967): Probleme die Übertragung des Therapeuten als Gegenstück zu Pat., kann führen zu beharrlich unangmessenen Verhalten; - Mertens (1990): Gegenübertragung ist das entstehende Produkt, wenn Analytiker das Übertragungsangebot des Pat. aufnimmt mit entwickelter Vorstellung darüber, wie Pt. Analytiker sieht und erlebt (Objektdimension) und wie Pat. sich selbst sieht (Subjektdimension) Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 5 P. Heimann (1950): „Die Suppe der analytischen Psyche, kocht im Feuer der Übertragung.“ 3.4 Übertragungsanalyse - Ermann (1999): früher: mit Analyse der Übertragung die Spuren der Vergangenheit in den gegenwärtigen Verhaltensweisen und Einstellungen des Patienten bewußt gemacht, ihm also zeigte, daß er den Analytiker so behandelt, als sei dieser seine Mutter, sein Vater o.ä.; jetzt: im Hier und Jetzt (Gill, 1979), zeigt Analysanden, welche seiner Gegenwärtigen Verhaltensweisen er nach einem unbewußten Vorbild interpretiert und warum er das tut; z. B. zeigt ihm daß anstehende Trennung wegen Analysepause mit aggressiven Affekten reagiert und deutet ihm, daß er sich damit Sicherheit angesichts befürchteter Verlassenheitsgefühle, weil Aggression weniger Angst macht als sich verlassen zu fühlen; - Freud (1910): Psychoanalyse deckt sie (die Übertragung) dem Bewußtsein auf, und bemächtigt sich ihrer, um die psychischen Vorgänge nach ihrem Ziele zu lenken; - Haesler (1994): von der Oberfläche aus die Dimension des Kontakte erreichen, so daß Vertrauensstrukturen geschaffen sind (nicht introsive Überwältigungen) – so erzählt Patient innere Wünsche vielleicht; wichtig Reflexion: was, wann und in welcher Form ist zu deuten; richten sich an sein Ich, sein reflektierendes Ich; wir sind zu dritt (Hegel: auch eine Vierheit und Fünfheit ist nur eine Dreiheit=dialektisch); trianguläre Struktur, d.h. Patient und Therapeut schauen sich Patienten an; Reihenfolge der Deutung: das abgewehrt, wie abgewehrt, was abgewehrt; Form der Deutung= propositionell, interrogativ (in Frageform, so daß Patient nicht eindeutig ja oder nein sagen muß, sondern Ambiguität (Zweideutigkeit) herstellen; „beste“ Deutung: Pat. zum reflektieren bringen; - Greenson (1967): Konfrontation (Gucken sie mal, wie sie da reden; sie scheinen Wut und Groll gegen mich zu empfinden) Klarifikation (klären der unbewußten Vorstellungen des Pat.; z. B. wir liebten uns, bitte merklären sie mir, was Sie darunter verstehen „wir liebten uns“, Ton weder roh, noch schüchtern) Deutung (indem die unbewußte Geschichte, die Vorläufer, Ursprünge, Zwecke und Zusammenhänge in Übertragungsreaktion aufdecken, Ziel: die Bedeutung eines gegebenen psychischen Phänomens zu verstehen) Durcharbeiten (durch Deutung gewonnene Einsichten werden wiederholt und ausgearbeitet, ist gesamte Arbeit, die auf die neue Einsicht folgt und zu Veränderung in Haltung oder Verhalten führt) - wichtig: kein Deutungstablett hinterhertragen! UNTERSCHIED klass. Psa. und Fürstenau Füstenau nicht Leiter rückwärts, sondern aktuell, in aktueller Situation hier-und-jetzt- Lösung; Analyse = Defiziterfahrung, regressiv, Nacherleben Ziel Psychoanalyse: Übertragungsneurose erhellen, es geht nicht um die Krankheit, sondern um die Beziehung zum Analytiker; Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 6 4 Übertragungsanalyse nach Fürstenau - 1. Aufgabe: Solidarisierung mit Befindlichkeit des Patienten über Verständnis für die affektiven Äußerungen und affektiven Reaktionen auf Therapeuten, ohne ihn inhaltlich damit zu bestätigen; Interesse an gegnwärtiger Lebenssituation; Ziel: Auseinandersetzung des Pat. mit gegenwärtiger Lebenssituation als Aufgabe und Herauasforderung unter Berücksichtigung pathologischer Überzeugungen, Übertragung, Lösungsressourcen und gesunde Ich-Anteile, - 2. Aufgabe: positiv konnotierender Umgang mit der Symptomatik des Patienten und die Herausarbeitung des Musters seines bisherigen Beziehungsverhaltens anhand reportierter Infromation und des Behandlungsverhaltens (Übertragung) in einer zur Distanzierung einladener Form; diese ausführliche Herausarbeitung des Beziehungsmusters, daß den Beschwerden, Eigenheiten und Problemen zugrunde liegt, stellt den 1. Schritt der Übertragungsanalyse dar (Gill, 1996); Intervention: seinerseits bestmögliche Lösung unter Einbeziehung der jeweils besten bekannten Informationen, um also der negativen Selbsteinschätzung des Patienten entgegnzuwirken, muster der Übertragung für Patienten bewußt machen, verfügbar machen und zugleich durch Zeitrelativierung („damals bestmöglich“) eine emotionale und kognitive Distanzierung von diesen Interaktionsmustern einleiten; Für Therapeut ergibt sich: Vor welcher in gegenwärtiger Lebenslage des Patienten anstehenden Aufgabe (d.h. vor welchem Entwicklungsschritt) schreckt Pat. zurück? und Zu welcher früheren Bewältigungsposition (Entwicklungsstufe) regrediert der Pat. mit der Produktion oder Verstärkung seiner Symptomatik? (z. B. bestimmte adoleszente Position oder spätere/frühere Stufe), = wichtig für auszuhandelndes Behandlungsziel, auf welches Entwicklungsniveau des Pat. sich der Therapeut im Umgang mit ihm einzustellen hat; - 3. Aufgabe: ausdrückliche Hinlenkung auf die ihm eigene Lösung seiner Schwierigkeiten und Probleme, d.h. Stimulierung sinnlich konkreter Vorstellungen über das von Patienten gewünschte zu erreichende Verhaltensziel und über konkret beobachtbare Kriterien, woran die Umgebung des Pat. merken, daß er seine Probleme gelöst, im Kompetenzbereich des Patient müssen sie liegen; 4.1 Unterschiede zur Analyse - vollständige Distanz von bisherigen pathologischen Überzeugungen im Sinne der Übertragungsauflösung nach Gill (1996) ist erst mit der Festigung neuer angemessener Einstellungen und Verhaltensweisen zu erwarten, d. h. Fortschritte in der Therapie in Richtung auf das Behandlungsziel, die persönliche Lösung des Pat.; an die Stelle der Konzentration auf das Durcharbeiten, die wiederholte Beschäftigung mit den traumatisierten Erfahrungen über nur leicht variierte Umstände innerhalb der analytischen Situation tritt: die Mobilisierung der je eigene Lösungsressourcen des Pat., Schwerpunkt der therapeut. Arbeit: schrittweise Annäherung an das Behandlungsziel mittels Ressourcenmobilisierung und-entwicklung; - dem Pat. eigene Ressoucen zur Problemlösung werden mobilisiert: Aufmerksamkeit des Pat. auf gegenwärtige oder frühere Situation gelenkt (Beobachtungsaufgaben), in der Pat. das betreffende Problem lösen konnte, bzw. das Problem nicht auftrat, weniger, keine Beschwerden; = „Ausnahmen“ (Walter & Peller, 1996) Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 7 - durch Herausarbeiten des Muster der Ausnahmen (Lösungen) wird dem Pat. die Diskrepanz zu dem Übertragungserleben und –verhalten deutlich (Diskrepanzerfahrung zwecks Distanzierung von der Übertragung) - erst angesichts der erstrebten persönlichen Lösung wird die obsolete (Überkommende) Übertragungskonstellation als Hindernis (Barriere) zur Erreichung des betreffenden Ziels präzise konkret erlebbar und in dem Maße, wie sie nächstem Entwicklungsschritt entgegensteht, für den Pat. zu einem zu überwindendem Problem; die sich daraus ergebenden Bewältigungsschritte schließen die Distanzierung von der Übertragung im Sinne ihrer Auflösung ab; [bis hierhin aus Sulz, 1998, S. 87-99) 4.2 Ansprechen und Herausarbeiten des Musters der Übertragung - klassisch: Übertragung ansprechen im Sinne von Mangel, z. B. mißtrauischer Patient – sehen Sie auch mir gegenüber sind sie mißtrauisch (Gefahr: leichte Kränkbarkeit); - Alternative: statt Einschränkung des Selbstwertgefühls, = Selbstwertstärkung in positiv konnotierende Form; - Therapeuten scheuen sich sich Übertragung anzusprechen, wie etwa auch im Sinne Bions: Pat. sei Baby, Therapeut ist Mutter-Container, der an sich die Gefühle spürt und die dem Baby zurückmeldet; A B E R: Pat. ist eben kein Baby („kleines Mißverständnis von Bion“), - Pat. sollen sich als erwachsene Menschen entscheiden, ob sie weiter so umgehen möchten mit anderen Menschen; „Sie Haben aufgrund Ihrer Erlebnisse früher in Kindheit diese bestimmte Einstellung gewonnen, die hat Ihnen geholfen, zurechtzukommen und um sich gewissermaßen an eigenem Haarschopf aus Sumpf zu ziehen, haben Sie diese Werthaltungen und Überzeugungen entwickelt; das war damals für Sie die bestmögliche Lösung, d.h. diese Konsequenz aus ihrem Erleben zu ziehen; - Selbstwertstärkend: aktive Leistung vollbracht, die symptomatische Form/Charakterform, das ist ihre Lösung, wie sie sich da gerettet haben aus einer Situation (z. B. von Eltern vernachlässigt – daher frühreifes entwickelt – frühreife (Pseudo-)Autonomie – früh für sich selbst gesorgt; positive Konnotation: Sie haben sich druchgeschlagen (=positive Würdigung der Umgangsweise des Pat. mit dieser Situation); - nützliche Analyse: dann über Übertragungsanalyse eben Muster und kindliche Verhaltensweisen thematisieren im Umgang mit dem erwachsenen Klienten; - „persönliche Gleichung des Pat.“, die es gestatte (emotional) zu überleben; !! das Problem ist nur: daß Sie glauben, heute noch das gleiche tun zu müssen; z. B. Abhängigkeit als Selbstheilungsversuch= das war damals bestmögliche Lösung (Distanz geschaffen); - es ist offen was heute ist, allein durch zeitliche Einordnung (=Distanz geschaffen) damit: Überlegung angestoßen, muß ich das wirklich heute noch so tun; [positive Konnotation, zeitliche Einordnung] 4.2.1 Positive Konnotation von Übertragungseinstellungen - das Abgewehrte, nicht-gelebte nennen, Intervention soll erlauben, daß über diese Haltung nachgedacht wird, geredet werden kann, so daß Pat. seine Haltung in Frage stellt; Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 8 - kontaktstiftend ist, wenn jemand etwas positives sagt; - Ausnahmen beobachten: Bsp. Mißtrauen: Es gibt doch Menschen, denen sie vertrauen (Personen, Situationen), wo das Symptom nicht wichtig ist, woran würden Sie das merken, wenn sie mir vertrauen könnten? - reframing: deute etwas negatives in etwas positives (stelle in anderen Rahmen) - Ziel: Relativierung durch Patienten Übertragungsreaktion Positive Konnotation 1. depressiv, sich zurückziehende Patientin, mit Kränkungsempfinden Es war klug von Ihnen damals Auseinandersetzungen zu vermeiden, die anderen vor Verletzungen zu schonen und damit die „eigene Haut zu retten“. 2. Überfürsorgliche, opferbereite, moralisch übermotivierte engagierte Haltung, stets helfend Sie haben gelernt, anderen Menschen nicht leichtfertig etwas anzutun, nur weil man selbst es leichter haben will oder auf den eigene Vorteil bedacht wäre. 3. Zwanghaft-kontrollierende Menschen, pedantisch, korrekt, Dinge ganz genau zu nehmen Ihr strukturiertes Leben ist besser als einfach nur oberflächlich dahinzuleben und auf unangenehme Überraschungen nicht gefaßt zu sein. 4.3 Umgang mit Symptomatik - Therapeut und Pat. haben sich auf Symptomatik konzentriert, was den Spielraum einengt; - nicht einengen auf die Symptomatik, weil sonst sich auch der Therapeut auf dieses Symptom einengt (Symptom allein ist noch nicht ausreichend für Therapie, beide sind dann eher fasziniert, vielmehr gequält in therapeut. Situation) - daher: weitere Untersuchungen, nicht Einengen auf (beeindrucken lassen von) Erleben des Pat., denn dann ist Besserung nicht zu erreichen;= Kontexterweiterung - Grenzen der Symptomatik überschreiten, denn Annahme, daß Symptomatik nicht immer so stark, Therapeut nähert sich an diesen Bereich; Möglichkeit auf den Bereich zurückzugreifen (von S nach S-), das ist therapeut. Aktivität, Lenkung der Aufmerksamkeit von S auf S-, therapeutischer Fortschritt: Befassen mit den Lebenszielen des Patienten=Diskussion; - d.h. solange Fokus, Konzentration, beeindruckt-sein, Faszination von Symptomatik=wenig Veränderung; - Pat. kommt in Einengung auf Symptomatik.....wir verwickeln ins Gespräch, das über Symptom hinausgeht = Lebens- und Verhaltensziel; - Sich mehr zu interessieren, als das, was der Pat. anbietet - möglichst klares Bild verschaffen, über gegenwärtige Lebensituation; z. B. zu sehen wie Pat. genauer mit Freundin umgeht; nicht zufriedengeben mit „normal“, sondern: neugierig, wie Pat. sonst Dinge im Leben löst; - Ablenken vom Symptom, Erlebniswerte erhöhen; - Technik: gesunden Lebensbereich erkunden (je mehr Schwierigkeiten, desto mehr gesunder Bereich betonen) - weitere Therapie: Aufgaben geben, die sich auf die diskutierten Lebens- /Verhaltensziele beziehen; - Empfehlung: jede Sitzung als erste und letzte anzusehen (Walter & Peller, 1996); „single session therapy“ (Talmon, 1990) Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 9 - Symptomatik T Mitfühlen symptom- frei P Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 10 4.4 Vorgehen 1. Anteilnehmendes Akzeptieren der Klagen, Beschwerden 2. Gegenwärtige Lebenssituation, vor welchen normalen Aufgaben schreckt er zurück? 3. Muster der lösungsbehindernden Beziehungseigenheit (Übertragung) herausarbeiten, gegenüber Klienten, positiv konnotieren, damals gut gewesen (reframing), welches Entwicklungsniveau; 4. Vorgeschichte, Problemklärung 5. Konkretes Ziel aushandeln, in Kompetenz des Pat. liegend, Kriterium finden für Bereich, beobachten 6. Bereich suchen lassen, wo Verhalten evtl. sinnvoll, zu erhalten 7. ist mit Werten/Loyalitäten vereinbar, sonst Ziel- oder Wertorientierung modifizieren, 8. Setting, Honorar, Termin 9. Traumapatienten: Stabilisierung des Ich (Selbstwirksamkeit) 10. Traumapatienten: sinnlich konkrete Konfrontation, Rückfallvorhersage 11. Weitere Ressourcenmobilisierung: Ausnahmen?, Vorbild?, Was wäre, wenn.., Was müßte passieren, damit Barriere übersprinbar; Aufgaben zur Überprüfung der bisherigen Überzeugungen, schrittweise Annäherung durch Diskussion; Erfahrung bei Aufgabenumsetzung, Herausarbeiten des Musters der erfolgreichen Leistung; Verstärkung gelungener Lösungen, neue Aufgaben. Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 11 5. Folien 1. Übertragung Neurose T P Idealisierung „als ob“: Neuauflage einer alten Objekt- beziehung Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 12 2. Übertragungsneurose T P gewähren lassen „als ob“: Neuauflage einer alten Objekt- beziehung Idealisierung „tummeln lassen“, Übertragung fördern Übertragungs- neurose Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 13 3. Gegenübertragung Neurose T Gefühl P Idealisierung Verführungssituation (Resonanz); geschmeichelt zu fühlen, genießen wollend unbewußt unbewußt Verständnis für Unbewußtes des Patienten gefühlsmäßige Antwort darauf Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 14 4. Übertragungsanalyse Neurose 1 2 Idealisierung Verführungssituation (Resonanz); geschmeichelt zu fühlen, genießen wollend reflexives Ich Abstinenz, Neutralität, Aushalten reflexives Ich trianguläre Diskurs- struktur trianguläre Deutungs- struktur Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 15 5. Projektive Identifikation Neurose P Teile oder Ganzes besitzen, kontrollieren z. B. Angst und ausstoßende, eindringende Eigenschaft Bedrohung durch böses, projektiv eindringendes Objekt Selbst T Selbst Angst P H A N T A S I E Weiterbildung in der Oberbergklinik Extertal-Laßbruch Kupper • 13.12.00 Übertragungsanalyse nach Fürstenau 16 6. Übertragungsanalyse nach Fürstenau Symptomatik T Mitfühlen symptom- frei P